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Franz Joseph Christoph Gottsleben (1777-1860)

Ökonomieverwalter
Moritzberger Amtsvogt und Ortsvorsteher

»Das Vermögen der Gemeinde möglichst zu vergrößern«

Leben und Wirken des Moritzberger Amtsvogtes
und Ortsvorstehers Christoph Gottsleben (1777-1860)

Von Jutta Finke[1]

Von 1815 bis 1852 wirkte als Amtsvogt des Amtes Marienburg[2] Christoph Gottsleben, der von 1816 bis 1830 gleichzeitig auch Ortsvorsteher von Moritzberg war. Seine zahlreichen, zumeist vom Amt angeforderten Berichte beeinflussten die Entscheidungen der vorgesetzten Behörden nicht unerheblich und geben Einblicke in die Verhältnisse des Bergfleckens in dieser Zeit.

 

Herkunft und Familie

 

Franz Joseph Christoph Gottsleben wurde am 25. September 1777 im Dom zu Hildesheim getauft. Seine Eltern waren der Kanzleiinspektor Christoph Gottsleben und dessen Ehefrau Marie Magdalene, geb. Hörling. Ihre Ehe wurde am 3. Mai 1774 geschlossen, außer dem Sohn Christoph gingen aus ihr noch weitere fünf Söhne hervor: Johannes Anton (geb. 1775), Franz Wilhelm (geb. 1779), Friedrich Anton (geb. 1781), Franz Joseph (geb. 1783) und Hermann Anton (geb. 1787). Der Vater starb am 11. September 1797 in Hildesheim. Der Bruder Hermann Anton diente als Hausvogt zunächst im Amt Wohldenberg, später im Amt Ruthe, er starb 1849 in Sarstedt.

 

    Christoph Gottsleben trat 1796 in den »öffentlichen Dienst«. Am 16. März 1803 heiratete er Maria Louise Therese Machtzum, eine Tochter von Johann Heinrich Machtzum[3] und dessen Ehefrau Marie Anna Katharine Philippina, geb. Raesfeldt. Die Heiratseintragung bezeichnet Gottsleben als Kanzlist der Regierung in Hildesheim, doch dürfte er schon bald darauf die Verwaltung des dem Domkapitel gehörigen Guts in Harsum übernommen haben. Er unterstand dabei der Aufsicht des Amtsvogts Bernhard Dannhausen in Marienburg, dem das Domkapitel die Oberverwaltung über das Gut 1798 übertragen hatte. Erst als Dannhausen diese im Sommer 1810 aus gesundheitlichen Gründen abgab, verwaltete Gottsleben das Gut selbständig. Die Verwaltung verblieb ihm auch, als das Domkapitel am 15. Dezember 1810 von der Westfälischen Regierung aufgelöst und das Gut verstaatlicht wurde, bis zu dessen Verkauf am 25. Februar 1812. Am 12. Juli 1812 wurde Gottsleben als Kreis-Kassen-Gehilfe nach Celle versetzt.

 

    Aus seiner Ehe gingen insgesamt acht Kinder hervor, von denen drei klein verstarben. Die älteste Tochter Katharine Marie Magdalene wurde 1803 in Hildesheim geboren, die weiteren Kinder in Harsum.[4] Gottslebens Ehefrau Maria Louise Therese verstarb am 1. Februar 1828 in Moritzberg.

 

Amtsvogt und Ortsvorsteher

 

Im Königreich Westfalen (1807-1813) war die alte Ämterverfassung nach französischem Vorbild durch eine Kantonsverfassung ersetzt worden. Nach dem Ende der französischen Fremdherrschaft und der Übernahme des ehemaligen Fürstbistums Hildesheim durch Hannover (1813) wurde zum 1. Mai 1815 die alte Ämterverfassung wieder eingeführt. Das Amt Marienburg, das vorher nur aus zehn Dörfern bestanden hatte, erfuhr dabei eine nicht unwesentliche Erweiterung, u.a. durch das Flecken Moritzberg. Das Amt Marienburg wurde in eine Hausvogtei mit Sitz in Marienburg und in eine Amtsvogtei mit Sitz in Moritzberg aufgeteilt. Zur Amtsvogtei gehörten außer Moritzberg die Dörfer Ochtersum, Barienrode, Diekholzen, Söhre und Egenstedt, außerdem die Gutsbezirke Trillke und Röderhof.

 

    Zum Amtsvogt des Amtes Marienburg wurde zunächst Ignatz Pellens ernannt, der schon dem ebenfalls 1810 aufgehobenen Moritzstift ab 1779 als Gerichtsvogt gedient hatte. Der von den Vögten des Amtes abzuleistende Diensteid beschreibt ausführlich deren Aufgabenbereich. Pellens trat bereits im November 1815 in den Ruhestand. Christoph Gottsleben wurde zum 5. Dezember 1815 zu seinem Nachfolger ernannt und nahm seinen Wohnsitz auf einem ehemaligen Stiftshof in Moritzberg, möglicherweise zunächst auf dem »Graenschen Hof«,[5] später auf dem »von Bührenschen Hof«.[6] Der letztgenannte Hof kam 1819 aus dem Nachlass der verstorbenen Frau Elisabeth Waesch, geb. Thost, zum Verkauf. Da Christoph Gottsleben mit 1840 Reichstalern das Höchstgebot abgegeben hatte, erhielt er – mit Einwilligung der Königlichen Kammer – den Zuschlag. Für den Ankauf lieh er sich von dem Hildesheimer Hofrat Dr. Werner die Summe von 1300 Reichstalern in Gold. Bisher konnte nicht ermittelt werden, bis wann ihm das Anwesen gehört hat. 1830 war es im Besitz des Braumeisters und Eigentümers des angrenzenden Moritzberger Brauhauses, Heinrich Wilhelm Baumann. 1831 verkaufte Baumann den Hof für 2000 Reichstaler Gold an Christoph Gottslebens Bruder Anton, allerdings wohnte Christoph mit seiner Familie nach wie vor dort.

 

Die ersten Hildesheimer Turnübungen fanden
am Fuß des Moritzberges statt,
vermutlich im Garten von
Christoph Gottsleben (um 1828)
[7]
(Lithographie: Stadtarchiv Hildesheim,
Bestand 967 Nr. 183)

 

Heutiger Zustand der Bennostraße 5,
ab 1819 Wohnsitz der Familie
  von Christoph Gottsleben

(Foto: Jutta Finke, 2012)

 

 

    Zur Zeit der Ernennung Christoph Gottslebens zum Amtsvogt bekleidete ein ehemaliger Kanoniker beim Moritzstift, Carl Voss, die Stelle des Moritzberger Ortsvorstehers. Anfang 1816 legte Voss das Amt nieder. Über eine Gemeinde-Verfassung verfügte der Ort nicht und da sich kein anderer Einwohner fand, der bereit oder in der Lage gewesen wäre, Voss’ Nachfolger zu werden, trug das Amt Marienburg Gottsleben die Stelle an. Weil dieses auch der Wunsch der »ganzen« Gemeinde Moritzberg war, erklärte sich Gottsleben zwar zur Übernahme bereit, erbat sich aber zwei, mit den Ortsverhältnissen vertraute »geschworene Männer« zur Unterstützung. Die Königliche Regierungs-Kommission genehmigte die Ernennung Gottslebens, dem dafür die Benutzung des Bürgermeistergartens (»Knickgarten«), fünf Reichstaler Schreibgebühr und die Befreiung von den Lokallasten zugestanden wurden. Diese Entlohnung entsprach derjenigen des Moritzberger Bürgermeisters zu Stiftzeiten, dem jedoch nur wenige, kaum nennenswerte Aufgaben oblegen hatten und die in keinem Verhältnis zu den vielfältigen Dienstgeschäften des Ortsvorstehers im 19. Jahrhundert standen.

 

    Ab 1821 versuchte Gottsleben wiederholt, eine Verbesserung seiner Entlohnung als Ortsvorsteher zu erreichen. Diese hätte von der Gemeinde aufgebracht werden müssen. Da deren vorwiegend arme Mitglieder dazu aber nicht in der Lage waren, bemühte sich Gottsleben, sie aus einer anderen öffentlichen Kasse, nämlich von der Klosterkammer als Rechtsnachfolgerin des Moritzstiftes, zu erhalten. Er glaubte, dass diese schon deswegen herangezogen werden könnte, da seine polizeilichen Aufgaben früher von den Gerichtsbediensteten des Stifts wahrgenommen und diese auch vom Stift entlohnt wurden. Zwar wurde die Berechtigung seiner Forderungen – so vom Amt Marienburg – anerkannt und von diesem auch unterstützt, seine Anträge jedoch sowohl von der Klosterkammer als auch anderer höherer Stellen als nicht zuständig abgelehnt.

 

    Gottslebens Bezüge als Amtsvogt waren eher mäßig und werden 1823 mit insgesamt 346 Reichstaler jährlich angegeben, einschließlich der Naturalbezüge, Sporteln[8] usw. Die 1824 erfolgte zusätzliche Übertragung der Hausvogtei des vormaligen Amtes Marienburg[9] mit den Dörfern bzw. Gutsbezirken Marienburg, Itzum, Walshausen, Lechstedt, Heinde, Listringen, Hockeln, Detfurth, Wesseln, Groß und Klein Düngen, nahm Gottsleben zum Anlass, um wegen angeblicher Arbeitsüberlastung als Ortsvorsteher zurückzutreten. Da das Amt Steuerwald-Marienburg ihn aber in dieser Position behalten wollte, weil man befürchtete, dass sich kein geeigneter Nachfolger finden würde, drängte es seinerseits die Königliche Landdrostei, sich für die Gottsleben bis dahin verweigerte Gehaltserhöhung einzusetzen. Erst daraufhin bewilligte das Königliche Kabinetts-Ministerium in Hannover ihm 30 Reichstaler jährlich aus der Klosteramtskasse und Gottsleben blieb dem Bergflecken noch für einige Jahre als Ortsvorsteher erhalten. Als jedoch 1828 von den Ortsvorstehern oder den Gemeinde-Rechnungsführern die Stellung einer Kaution verlangt wurde, war er nicht in der Lage oder willens, diese aufzubringen und zog es daher – und außerdem wiederum mit der Begründung der Arbeitsüberlastung als Amtsvogt – vor, den Dienst abzugeben. Gegen die von ihm vorgeschlagene Ernennung des Schneidermeisters Hollemann zu seinem Nachfolger protestierten die Moritzberger allerdings und verlangten, ihren Ortsvorsteher und sechs Nebenvorsteher selbst zu wählen. Gottsleben stand einer solchen Wahl skeptisch gegenüber und lehnte eine Beteiligung an den darüber geführten Verhandlungen ab. Die Gemeinde setzte sich mit ihrer Forderung schließlich durch, auch wenn die am 7. Juni 1830 unter der Leitung des Hausvogts Hoevel[10] durchgeführte Wahl von der Landdrostei beanstandet und am 28. August 1830 wiederholt werden musste, diesmal unter Gottslebens Leitung.

 

    Es war Gottslebens Bestreben als Ortsvorsteher, das Vermögen der Gemeinde, das bis dahin lediglich aus dem »Knickgarten« und den als Dienstwohnungen genutzten Pfarrhaus und Hirtenhäusern bestand, möglichst zu vergrößern, um dieser dadurch einige Einnahmen zu verschaffen und somit den Moritzberger Einwohnern die Aufbringung der Gemeindelasten zu erleichtern. Unter ihm wurde der Gemeinde 1824/25 einige Grundstücke am Krehla zur Urbarmachung überlassen und von ihr an Gemeindemitglieder verpachtet. Als Gottsleben das Amt zwei Jahre nach dem Tod seiner Frau 1830 abgab, erzielte die Gemeinde aus ihrem Vermögen 70 Reichstaler jährlich. Gottsleben organisierte auch die Moritzberger Armen-Fürsorge durch Einführung wöchentlicher Sammlungen und erwirkte außerdem einen Zuschuss aus dem Klosterfonds von 200 Reichstalern jährlich zu diesem Zweck.

 

Gottslebens weitere Dienst- und Lebensjahre

 

Gottslebens Rücktritt als Ortsvorsteher änderte nichts an seiner Stellung als Amtsvogt. Wegen seines fortgeschrittenen Alters und der vielleicht innerhalb kurzer Zeit möglichen Pensionierung genehmigte die Landdrostei 1844 die Bestellung seines Sohnes Joseph zu seinem Adjunkten (Gehilfen), allerdings musste Gottsleben seinen Sohn von seiner Diensteinnahme unterhalten. Auf eigenen Wunsch wurde Gottsleben vom Königlichen Innenministerium zum 1. Oktober 1852 in den Ruhestand versetzt. Nach seiner Pensionierung zog er nach Hildesheim, wo er sich bei seinem Sohn Wilhelm Anton zunächst in der Kurzen, dann in der Langen Burgstraße aufhielt. Der von ihm bewohnte Hof in Moritzberg, der nachweislich noch 1848 seinem Bruder Anton, damals in Mainz ansässig, gehörte, dürfte erst nach seinem Fortzug von diesem an den neuen Eigentümer, Carl Ernst von Drechsel, verkauft worden sein.

 

    Für die Ausbildung und Zukunft seiner Söhne hatte Gottsleben Sorge getragen und dafür nicht unerhebliche Summen aufgewandt. Wilhelm Anton (1812-1867) studierte in Göttingen Jura und war später Obergerichtsanwalt in Hildesheim. Er trat als Turner[11] und Mitbegründer des MTV von 1848, aber auch als unermüdlicher Politiker und führendes Mitglied der Hildesheimer Deutschkatholiken[12] – denen auch sein Vater und weitere Familienmitglieder zuneigten – hervor. Joseph erlernte auf der »Ökonomie Heinde« die Landwirtschaft und war später als »Aktuar« (mittlerer Gerichtsbeamter) tätig. Anton Hermann wanderte 1846 nach Amerika[13] aus und erhielt für die Überfahrt, den Ankauf und die Einrichtung einer Farm von seinem Vater über 1000 Reichstaler. Die beiden Töchter Magdalene und Wilhelmine blieben unverheiratet und weilten Zeit ihres Lebens bei ihrem Vater und später bei ihren Brüdern Anton, der ebenfalls unverheiratet war, und Joseph. Christoph Gottsleben starb am 22. Oktober 1860 in Hildesheim.

Quellen

 

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Adressbücher der Stadt Hildesheim und Moritzberg.

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Bistumsarchiv Hildesheim: Kirchenbücher der katholischen Pfarrgemeinden Celle, Harsum, Domgemeinde Hildesheim, St. Godehard Hildesheim, St. Mauritius Hildesheim-Moritzberg.

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Hauptstaatsarchiv Hannover: Hannover 72 Hildesheim, Nr. 777, 780, 958, Acc. 61/99, Nr. 3709, 3746; Hannover 74 Hildesheim, Nr. 128, 247, 281, 283; Hannover 74 Marienburg, Nr. 75, 127, 198; Hannover 77b, Nr. 660; Hannover 88C, Nr. 980, 1045; Hildesheim Br. 2, Nr. 3473; Hildesheim Br. 4, Nr. 436.

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Stadtarchiv Hildesheim, Bestand 200, Nr. 8, 17, 42. 

Literatur

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Christoph Gottsleben [Todesanzeige]. In: Hildesheimer Allgemeine Zeitung 1860 (23. Oktober).

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Ein Feuergeist, Teil 1 (Denkmal neu entdeckt) u. Teil 2 (Anton Gottsleben). In: Moritz vom Berge, Stadtteilzeitung Hildesheim West Nr. 210 (2010), November, S. 4-5 u. Nr. 211 (2010/2011), Dezember/Januar, S. 8-9.

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Finke, Jutta: Bernard Dannhausen (1746-1827), Verwalter und Amtsvogt zu Marienburg. In: Hildesheimer Jahrbuch für Stadt und Stift Hildesheim 72/73 (2000/2001), S. 205-216.

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Gatzemeyer, Friedrich: Sippschaften aus Stadt und Stift Hildesheim 1. Leipzig: Degener, 1935. (= Ahnentafeln um 1800 : eine Ahnentafelsammlung / hrsg. von Friedrich Wecken ; Bd. 3)

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Kloppenburg, Heinrich: Die Geschichte des Moritzstifts und der Gemeinde Moritzberg. Hildesheim, 1933. [Maschinenschriftlich].
[Kloppenburg (1863-1952) war Mittelschul-Lehrer und zeitweise Kreisheimatpfleger im Hildesheimer Raum. Er hat u. a. die Moritzberger Geschichte maschinenschriftlich auf 1404 Din-A-4-Seiten zusammengestellt - alles was er damals an Dokumenten finden konnte, zusammengefasst und zum Teil auch die Originalakten abgetippt. Das Original seines maschinenschriftlichen Werkes liegt im Stadtarchiv Hildesheim. Drei gebundene Exemplare der Durchschriften können im Stadtarchiv Hildesheim, im Bistumsarchiv Hildesheim und im Hauptstaatsarchiv Hannover eingesehen werden. Hinweis von Sabine Brand, Hildesheim.]

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Röhrig, Anna Eunike: Die Deutschkatholiken in Hildesheim. Ein vergessenes Kapitel Geschichte. In: Hildesheimer Heimat-Kalender 2001 (2000), S. 80-82.

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Schulze, Otto: Die Entwicklung der Leibesübungen in Hildesheim. In: Alt-Hildesheim. Jahrbuch für Stadt und Stift Hildesheim 15 (1936), S. 11-17.

Anmerkungen

[1] Der Artikel von Jutta Finke, Hildesheim, erschien am 21. Juli 2012 in der Sonnabendausgabe der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung, Teil »Aus der Heimat«, S. 40 und wurde in der hier vorliegenden Fassung von Klaus Gottsleben um einige Anmerkungen ergänzt.

[2] 1823: Amt Steuerwald-Marienburg, 1844: Amt Hildesheim.

[3] Machtzum war von 1775 bis 1787 Amtsverwalter in Winzenburg, dann Großvogt der Dompropstei in Hildesheim.

[4] Katharine Philippine (geb. u. gest. 1805), Anton (geb. 1807, gest. 1808), Wilhelmine Louise (geb. 1809), Tochter (geb. u. gest. 1811), Wilhelm Anton (geb. 10. Juni 1812). Es folgten noch Gottlieb Joseph (geb. 1814 in Celle) und Anton Hermann (geb. 1817 in Moritzberg).

[5] Heute Bergstraße 26.

[6] Heute Bennostraße 5.

[7] »Spannend ist die Ansicht, die junge Turner vor der Mauritiuskirche im Hintergrund zeigt – spannend, weil sie viele Details des offensichtlich begeisterten Turnens im Freien zeigt, spannend aber auch, weil der Ort dieser Turnübungen nicht genau bekannt ist. Otto Schulze gab 1936 in seinem Aufsatz zur Entwicklung der Leibesübungen in Hildesheim an, dies sei der erste Sommerturnplatz am Bergsteinweg. Der Hannoveraner Turnlehrer Hufeland hatte von 1841 bis Anfang 1843 eine Turnanstalt in Neuls Garten vor dem Dammtor in Betrieb. Der Blickwinkel auf die Kirche und die Dächer der alten Stiftshöfe davor passt aber nicht zu der Ortsangabe Bergsteinweg. Ebenso wenig passt das ungeordnet fröhliche Toben der Jungen zu einer professionell geleiteten Anstalt, die mangels Finanzierbarkeit und mangels Beteiligung 1843 schon wieder aufgeben wurde. Die Abbildung zeigt wohl eher die turnbegeisterten jungen Josephiner in ihrer Freizeit – im Garten des Pelizaeus 1833 bis 1835 oder im Garten von Anton Gottslebens Eltern zwischen 1828 und 1832. Wo der Garten des Pelizaeus lag, ist der Redaktion Moritz vom Berge bislang nicht bekannt. Wo aber das Grundstück von Gottslebens Vater lag, ist gewiss: Amtsvogt Christoph Gottsleben wohnte mit seiner Familie – sein Frau verstarb bereits 1828 - im ehemaligen von Bührenschen Stiftshof, heute Bennostraße 5, neben dem Alten Brauhaus. Das Grundstück reichte damals den Hang hinunter bis in den Bereich der heutigen Königstraße – Königstraße und Königsteich gab es noch nicht. Der Urkataster von 1875 zeigt in dem Bereich diesseits der alten Ortsgrenze, wo bis zu seiner Verlegung Anfang der 1870er Jahre der Blänkebach floss, einen schmalen Streifen Land, über den man offensichtlich von der unteren Bergstraße (heute Dingworthstraße) aus die Gärten und Äcker am Hang erreichte: ein Feldweg als Vorläufer der Königstraße. Genau von hier unten entspricht der Blick auf die Mauritiuskirche und die alten Stiftshöfe der Ansicht auf der Lithographie. Mit dem Bild in der Hand konnte die Redaktion Moritz vom Berge die Perspektive aus dem Dachfenster von Dr. Markus Leinemann nachvollziehen.« Aus: Moritz vom Berge, Stadtteilzeitung Hildesheim West Nr. 211 (2010/2011), Dezember/Januar, S. 8-9 und: Otto Schulze: Die Entwicklung der Leibesübungen in Hildesheim. In: Alt Hildesheim. Jahrbuch für Stadt und Stift Hildesheim 15 (1936), S. 11-17.

[8] Als Sporteln bezeichnete man Verwaltungsgebühren, die unmittelbar dem beteiligten Beamten zuflossen; Überreste sind die Notariatsgebühren.

[9] 1823 mit dem Amt Steuerwald zum Amt Steuerwald-Marienburg zusammengelegt.

[10] Hoevel war zuständig für das ehemalige Amt Steuerwald.

[11] Wilhelm Anton Gottsleben hat als 16-Jähriger Schüler des Josephinums mit seinem Freund Joseph Helms um 1828 das Turnen in Hildesheim begründet. Turnen war damals revolutionär. In Preußen war es verboten, im Königreich Hannover, zu dem Hildesheim gehörte, auch nicht gern gesehen und vom Leiter des Josephinums untersagt. Anton turnte deshalb mit seinen Freunden im Garten seiner Eltern am Moritzberg. Von 1833 bis 1835 turnten die Schüler dann in zwei Riegen im Garten des Forstmeisters Pelizaeus – auch am Moritzberg, dann zogen sie in den Pepperworth. Das Jahr 1833 gilt als das Gründungsjahr einer »Turngesellschaft« der Josephiner, denn von diesem Jahr an lief das Turnen unter Anleitung eines älteren Schülers, Andreas Sommer aus Heiligenstadt, in geordneten Bahnen. Aus dieser ersten Hildesheimer Turngesellschaft wurde später der Schülerturnverein »Saxonia«. Aus: Moritz vom Berge, Stadtteilzeitung Hildesheim West Nr. 211 (2010/2011), Dezember/Januar, S. 8-9.

[12] Nach der Thronbesteigung von König Friedrich Wilhelms IV. (1795-1861, König ab 1840) in Preußen änderte sich das Verhältnis von Staat und Kirche. Sichtbarer Ausdruck war die Trierer Wallfahrt von 1844 zum »Heiligen Rock«, für die Thron und Altar die Voraussetzung und Organisation dieser Massenbewegung schufen, die eine halbe Million Pilger innerhalb von 50 Tagen in bemerkenswerter Disziplin nach Trier und zum Defilee an dem Exponat vorbei führte. Der suspendierte schlesische Priester Johannes Ronge (1813-1887) protestierte in einem Aufruf öffentlich gegen das »Götzenfest« und wandte sich bei dieser Gelegenheit gegen die »tyrannische Macht der römischen Hierarchie«. Die Proteste führten zur Gründung der Deutschkatholiken, einer von ihm und Johann Czerski (1813-1893) angeführten Reformbewegung, der sich auch viele Protestanten anschlossen. In Österreich und Bayern wurden die »katholischen Dissidenten« verboten und ausgewiesen, in Preußen geduldet. 1845 trennten sich auf dem »Deutschkatholischen Konzil« in Leipzig etwa 60 000 Anhänger der Deutschkatholiken von der römisch-katholischen Kirche. 1847 erreichten sie ihren Höchststand mit 70 bis 80 000 Anhängern. Ihr rationalistisches Glaubensbekenntnis ließ sie kirchliches Lehramt und päpstliches Primat verwerfen, an Heiligenkult, Bilderverehrung und Fasten Anstoß nehmen. Seit 1850 beginnt der Verfall, der durch Verschmelzung mit den »Freien Protestantischen Gemeinden« (Lichtfreunde) nicht aufgehalten wurde. 1859 fanden sich ihre vom positiven Christentum abgelösten, freidenkerisch gewordenen Reste im »Bund Freireligiöser Gemeinden Deutschlands« zusammen.

[13] Hermann Gottsleben nahm, aus Moritzberg kommend, in Bremen das Schiff Copernicus und reiste als privilegierter Kabinen-Passagier nach Amerika. Am 2. Juni 1846 traf er im Hafen von New York ein. Vgl. Immigrant Ships Transcribers Guild (= ISTG; Vol. 4, Ship Copernicus, Captain Passenger, No. 174) und Schiffliste (Ellis Island immigration center).

Stand: März 2014
Klaus Gottsleben
 
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