Familienforschung
Gottsleben — Gayes — Engelbarts


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Leichenpredigt Johann Bernhard Gottsleben

Christliche Klag : vnd Trostpredigt
Bey begräbnus
Weyland des Ehrwür-
digen vnd Wolgelehrten / Ehrn Johan-
nis Berhardi Gotslebii Herbornensis, ge-
wesenen Pastors zu Dillenburg : welcher den 1. tag
Novembris 1635 durch den zeitlichen tod auß disem ja-
merthal abgefordert / vnd folgenden 2. tag ejus-
dem zur erden bestattet worden /
Auß dem 13. capit. Zachariæ in der Pfarrkirchen
daselbsten gehalten
Durch
Conradum Posthium Herbornensem, damaligen
dienern am wort Gottes zu Dillenburg / jetzo
Pastorn zu Burbach. ||
[Druckerzeichen Christoff Rab]
Gedruckt zu Herborn / im Jahr 1636.

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         Denen Ehrnvesten / Ehrsamen /
               Wolweisen/Fürsichtigen/Ehrn-
                             haften Herrn
Alten Schultheisen/
Schultheisen Amptsverwesern/
Statt : vnd Gerichtsschreibern/
Samptlichen Gerichtsschöffen vnd Bürgermei-
   stern der statt Dillenburg:
                             wie auch
Andreæ Gotslebio, Fendrichen der Unirten provincien
      Kriegsvolck zu Mörß.
Jost Rückern / Jüngern Bürgermeistern zu Herborn / vnd
Gotfridt Hutten / von der Haygerhütten /
                          Meinen günstigen Herrn vnd freunden.
EHrnveste / Ehrsame / Wolweise / Fürsichtige / || Ehrnhafte Herrn vnd freunde / Es sagt der auß- || erwehlte Rüstzeug Gottes in der Epistel an die He- || breer also:
[Heb. 13.7.] Gedencket an ewre lehrer / die euch das || wort Gottes gesagt haben /welcher end schawet an/vnd folget || ihrem glauben nach. Darin weiset er fürnemlich dreyerley. || Einmal daß wir vnserer trewen lehrer fleissig in acht nehmen || sollen : vnd zwar also/daß wir auf ihre lehr sehen/welche sie auß || dem heilsamen wort Gottes vns fürgetragen/mit lehren/ er- || mahnen/straffen/warnen vnd trösten : in dem daß wir ihnen || so vil folgen (weil sie vns Gottes wort gesagt) als vns immer || möglich ist. Zum andern/daß wir sollen ansehen ihren glau- || ben/welchen sie haben lassen sehen in den wercken/also daß wir || in dero fußstapfen tretten/vnd vns ihr gotsförchtiges leben || vnd wandel zu einem formular vnd spiegel fürgestelt

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seyn. Zum dritten/daß wir sollen anschawen ihr ende/welches || auf solches gottseliges leben vnd wandel gefolgt ist. Welches || ende ist zweyerley : Erstlich/der zeitliche tod; daß wir sollen be- || trachten vnd zu hertzen nehmen/wie sein selig solche leut im || Herren entschlaffen/wann sie von diser welt gescheiden sind. || Zum andern/daß Gott ihre gehabte mühreichlich belohne/also || daß sie das end ihres glaubens darvon bringen/ nemlich der [1.Pet.1.9.] || seelen seligkeit. ||

Wann dann nun solche drey stücke sich an weyland dem || Ehrwürdigen vnd wolgelehrten Ehrn Joh-Bernhardo Gots- || lebio, gewesenen Pastorn allhie/meinem lieben Herrn colle- || gen vnd gevattern seliger gedächtnus befunden/vnd deßwegen || so wol von E.E.Wolw.[*] als seinen lieben hinderlassenen Pfarr- || kindern; als auch desto mehr von E.L.[**] als seinem bruder vnd || schwägern ist geliebt worden/also daß er nicht allein mit thrä- || nen vnd grossem beklagen ist zur erden bestattet/sondern auch || auß solcher lieb zu ihm von vnderschiedenen seine von mir (wie- || wol vnwürdigen) gehaltene Leichpredigt/in truck zuverferti- || gen zu lassen ist begert worden : Als habe ich nicht vnderlassen || können solchen zu willfahren/vnd E.E.Wolw. wie auch E.L. || zu dediciren: Theils wegen dero mir zeit wehrenden meines || bey ihnen getragenen Ampts/von E.E. Wolw. erzeigten || gutthaten : theils wegen der freundschaft zu E.L. als seinem || bruder vnd schwägern : der gäntzlichen zuversicht / sie werden || dieselbe ihnen wolgefallen lassen / vnd allezeit meine günstige || Herrn vnd freunde bleiben. Thue sie hiermit in den schutz des || allerhöchsten empfehlen. Geben zu Dillenburg den 5. tag || Martij 1636. ||

E.E. Wolw. vnd Liebden
                          Dienstwilliger/

  
                                      Conradus Posthius Her-
                                            bornensis, diener am wort Got-
                                            tes zu Burbach.

[*] E.E.Wolw. (Euer Edlen Wohlweisen) bezeichnet wohl das Dillenburger Ratscollegio.

[**] Mit »Euer Liebden« (nachmittelalterliche Anrede, auch: E.L., Ew. Liebden) wurden nur die Adligen angeredet. Hier ist sicher der regierende Landesherr Graf Ludwig Heinrich von Nassau-Dillenburg gemeint.   

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                              Eyngang.
Gnad / fride vnd trost von Gott vnserm himli-
schen vatter/durch Christum vnsern Herrn in
kraft des heiligen Geistes/Amen !
        ES hat vns der liebe Gott vrsach vnd anlaß || geben / vor dißmal auß seinem Betthauß ein || algemeines klag:vnd traerhauß zu mache/ || in dem er nemlich/mit jedermans beklagen/ || weiland den Ehrwürdigen vnd wolgelehr- || ten Ehrn Johan-Bernhardum Gotslebium, gewesenen Pa- || storn / ewren trewen seelsorger / mein freundlichen lieben || Collegen vnd Gevatter sel.gedechtnus durch den zeit- || lichen tod von diser welt abgefordert hat/deme wir jetzo || die letzte ehr zu seinem ruhbettlein erzeigt haben. Damit || wir aber nicht ohne trost vnd erbawung von einander || scheiden/sondern lernen mögen/was Gott noch fürha- || be/wann er solche fromme seelsorger seiner kirchen ent- || zeucht/auch darbey aufgerichtet werden/was massen wir || vns vnder wehrendem creutz vnd widerwertigkeit trö- || sten sollen / als wollen wir ein stück auß dem H. wort || Gottes zu betrachten für vns nemen. Zu dessen frucht- || barlicher erklärung wir zuvorderst Gott den Herren || vmb die gnade vnd regierung seines H.Geistes wollen || anruffen/mit dem gebett/welches vns Christus in allem || anligen also zu beten gelehret hat: Vnser Vatter rc.

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                                                 T E X T U S.
                                            Zachariæ 13.V.7.8.9.
SChwert / mach dich auff vber meinen || hirten/vund vber den mann/der mir der || nehest ist/spricht der HERR Zebaoth. || Schlage den hirten/so wird die herd sich zerstrew- || en/So will ich meine hand kehren zu den kleinen. || Vnd so geschehen/in welchem lande (spricht der || HERR) zwey theil sind/die sollen ausgerottet wer- || den vnd vndergehen/vnd das dritte theil sol drin- || nen vberbleiben. Vnd will dasselbige dritte theil || durchs fewer führen vnd leutern/wie man silber || leutert/vnd fegen/wie man golt feget. Die werden || dann meinen namen anrufen/vnd ich will sie erhö- || ren: Ich will sagen/Es ist mein volck/Vnd sie wer- || den sagen/HERR/mein Gott. ||
                                                 T R A C T A T I O.
Das war der brauch bey den alten/wann gute freunde || ihnen gestorben waren / so giengen die kläger vmbher || vf den gassen/wie der Prediger Salomons redet. Sie [
Eccles.12.] || schrieben vnd leidklage vber sie. Also machte David || zum freundlichen andencken vber den tod seines wärten freunds || Jonathans eine leidklage/darin er ihn also beklaget : Es ist mir [2.Sam.I.16.] || leid vmb dich/mein bruder Jonathan: Ich habe grosse freud an || dir gehabt. Also beklagte der alte Prophet zu Bethel den Pro- [I. Reg 13] || pheten der von einem löwen in seiner rückkehr wegen seines vn- ||

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gehorsams vmgebracht war / vnd sprach samt seinen söhnen || vnd denen die den leychnam ins grab legten: Ach bruder. ||
        Wir haben/Geliebte in dem Herren Christo/jetztunder in || sein grab vnd ruhbett gelegt einen Propheten / Diener vnd || knecht Gottes/vnsern lieben seelsorger vnd Pfarrern/den wey- || land Ehrwürdigen vnd Wolgelehrten herrn Johan Bern- || hardum Gotslebium, dessen seel nun bey Gott lebet vnd ru- || het. Er ist nicht durchs schwert/welches in diser zeit so vil tau- || send frist/vmbkommen/wie Jonathan:Er ist nit erwürget wor- || den von einem wilden thier/wie der Prophet vom löwen. Die || wütende Pestilentz/nachdem sie sein hauß geräumet/weib vnd || kinder weggerissen/hat ihn vns entzogen. Doch haben wir ihn || deßwegen nicht zu beklagen/dieweil er selig ist/vnd schon erfeh- || ret die wahrheit der verheissung/welche beym Daniel geschrie- || ben [
Dan. I2.] stehet: Die lehrer werden leuchten wie des himmels glantz/ || vnd die so vil zur gerchtigkeit weissen wie die sterne immer vnd || ewiglich. Wie solten wir dann seinen zustand beklagen? Aber || wann wir bedencken was die Christliche brüderliche lieb erfor- || dere/die er auch im leben gegen vns vnd männiglichen erwisen/ || so dringt je solche vns dise klagwort auß : Ach bruder. Ich || an meinem ort sage mit warheit wie David bey Jonathan : || Es ist mir leid vnb dich mein bruder : ich hab grosse freud an || dir gehabt/desto grösser leid habe ich nun/daß ich deiner durch || den tod beraubt bib. Ja vnsere liebe vnd hochgeehrte Obrigkeit/ || welche vnsern verstorbenen in seinem haußcreutz nie vngetröstet || vnd hülfloß gelassen (sintemal sie ein trostschreiben vf das an- || der täglich an ihn abgehen lassen) beklaget ihn wie Joas seinen || Elisæum c. Reg.13. Mein vatter/mein vatter/wagen Israel || vnd seine reuter. Dise gantze gemeinde/ihr kinder allesamt/mö- || get ihn wol klagen : Ach vatter / ach vatter! Ja / ihr geliebte/ || wann wir bedenken was Gott vor habe/vnd was das schade/ ||

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wann er solche leut von der welt nimt/so mögen wir alle kla- || gen; Ach vatter/ach vatter/wagen Israel vnd seine reuter. Es || gehet wol in gemein (leyder) also/wie zu seiner zeit Jesaias klag- || te: Der gerechte komt vmb/vnd niemand ist der es zu hertzen [Jes.57.I.2.] ||neme ; vnd heilige leut werden aufgerafft/vnd niemand achtet || drauff. Damit wir nun auch nicht für solche vnachtsame ge- || halten/zugleich aber auch zur heilsamen betrachtung des tods || vnsers lieben verstorbenen seelsorgers aufgemuntert werden/ || so wollen wir bey gegenwertiger  versamlung zu vnser allge- || meinen erbawung mit einander betrachten:
        Erstlich/dass Gott der HERR grosse straffen alsdann in- || sonderheit fürhabe/wann er seiner kirchen trewe/from- || me vnd gottselige lehrer / hirten vnd vorsteher ent- || zeucht.
        Damit wir aber mögen im klagen maß halten/so wol- || len wir vors ander lehren/wessen wir vns dannoch in || solchem zustand / davon Gott redet/ vnd den wir vor || vns sehen/zu getrösten haben.
        Der getrewe Gott verleyhe vns beyderseits hierzu seine || gnade/Amen.
                                      Vom ersten stück.
        DEr löw brüllet/wer solt sich nicht förchten/
[Amos 3.8.] || sagt Amos : vnd zwar nicht vnrecht. Dann wann er || grimmig ist/so pflegt er solches durch sein brüllen zu- || verstehen zu geben. Also thut auch Gott der HERR : der wird || oftermals gegen die menschen wann er zornig ist / wie ein löw: || Er begegnet ihnen wie ein parder deme seine jungen genom- [Hos.13.7.8.] || men sind/vnd frist sie wie ein löw. Ehe dass aber der HERR seine || gerichte volbringe/lest er zuvor seine straffen verkündigen/auf || dass die menschen keine keine entschüldigung haben. Vnd das thut er ||

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[Amos3.7.] etwan durch sein heiliges wort : dann der HERR thut nichts/ er || offenbar dann zuvor seine geheimnus den Propheten seinen || knechten /sagt Amos. Er thut es auch etwan durch andere || zeichen/welche er vor den strafen lest vorhergehen / auß welchen || man schliessen kann/dass sie ohnfehlbar kommen werden. Vnder || andern thut er solches auch / wann er seiner kirchen trewe vnd || fromme lehrer entzeucht vor dem vnglück / damit sie nicht der || strafen theilhaftig werden / sondern bey zeiten zur ruhe vnd in || [Jes.57.2.] frieden kommen / wie Jesaias redet. Darauf greift dann der || HERR mit seinen strafen desto gewisser/ernstlicher vnd weiter || vmb sich. Wöllen wir dessen ein exempel haben / so können wir || kein bessers zubetrachten vornehmen/ als das vns der Prophet || hie vorhelt von vnserm Heyland Christo/seinen Jüngern vnd || den Juden. Da Gott der HERR wollte vnsern Heyland den || Juden vbergeben zum tode vor vns / wie giengs damals zu mit || den Aposteln vnd andern Jüngern? Also wie der text sagt/vnd || darauß vnser Heyland seinen Jüngern verkündiget: Nemlich || da der hirte geschlagen ward / da wurden auch die schäflein zer- || strewet. Die Juden achteten das nicht. Aber was kam vor ein || erschrecklich gericht darnach? Vnser text stellets vns zu be- || trachten vor/vnd wir haben zu dieser vnser zeit vrsach dazu sol- || ches waol in acht zu nehmen. Dann es scheinet der hirte sey ge- || schlagen; die vbrigen daran die herde noch noch hägnus hett/ kom- || men auch hinweg. Die sorg mag wol die herde tragen / dass sie || gar verheret werde. Damit wir recht lernen was Gott der || HERR hierinnen vor einen schlag halte / so last vns vnserm text || sein gebühr thun / vnd denselbigen von wort zu wort betrach- || ten / so werden wir solches wol vernehmen; auch dabey noch || andere nützliche lehren mercken. Zu vnsers texts rechtem || verstand müssen wir diese nachfolgende puncten wol betrachten: || 1. Wer derjenige seye der dises gebott dem schwert ||

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gebe; 2. Vber wen solches ergehe/Vnd 3. was dar- || auff erfolgen werde.
        Niemand anders ist / der diß gebott dem Schwert zu || volführen befihlt/als der HERR Zebaoth/das ist der HErr || der heerscharen. Vnd freylich ist er ein solcher Herr/dann sein || heer ist sehr groß. Himmel vnd erden muß ihme zu gebott ste- || hen: Wasser/fewer/schwert/hagel/donner/in summa alle crea- || turen müssen ihme zu gebott stehen / also dass kein grösser vnd || gewaltiger herr als er ist/wie wir solcher exempel vil haben in || Gottes wort/dass wir vns billich verwundern müsen vnd sa- || gen: Was ist das für ein mann/dem wind vnd meer gehorchen
[Matt.8.27] || muß!
        Diser ist/der gebeut dem Schwert/pestilentz/hunger vnd || andern seinen plagen/dass sie müssen so wol vber die gottlosen || als vber seine kinder ergehen: Also/dass wir derowegen allezeit/ || wann wir die ruthe Gottes/ welche mit disen zincken ist zusa- || men gebunden/anschawen/ sollen vf den HErren sehen: Dann || es ist kein vnglück in der statt das der HERR nicht gemacht
[Amos 3.6.] || hab: vnd kann den kindern Gottes nichts ohne seinen willen wi- [Matth.10.] || derfahren / ja auch nicht ein haar von vnserm haupt fallen. || Darumb auch allhie der Prophet spricht: Schwert ma- || che dich auff/spricht der HErr Zebaoth: Hunger vnd [Ezech.5.17.] || böse wilde thier will Ich vnder euch schicken/die sollen euch || ohne kinder machen/vnd sol petilentz vnd blut vnder dir vmb- || gehen/vnd will das Schwert vber dich bringen: Ich der  HErr || habs gesagt. Vnd anderswo: Ich der HErr red es vnd [c.37.14] || thu es auch. So dencket derowegen nicht / dass dises von || ohngefehr geschehe/wann solche strafen kommen. Gott schi- || cket sie/vnd dencket auch weiter/als wir etwa sehen oder vrthei- ||

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len. Vnd dises thut nicht allein Gott bey den gottlosen/als v- || ber welche er seine gerichte lest ergehen/sondern auch seine kin- || der sucht er heim/nicht zwar sie zu strafen/sondern zu züchti- || [Heb.12 I. Reg.19. 2. Sam.24. Job 1.] gen: Dann welchen der HERR lieb hat/den züchtiget er; vnd || zwar mit allerhand plagen : gleich dem eifrigen Elia mit hun- || gers not/gleich dem frommen David mit pestilentz/gleich dem || gedultigen Job mit leibes schwachheit vnd benemung seiner || güter / mit beraubung seiner kinder ; gleich dem gottseligen || Loth mit krieg/vnd also die jenigen welche ihm am liebsten seind.
        Darumb so sagt auch Gott der HERR/Schwert/ || mache dich auff vber meinen hirten/vnd vber den || mann/der mir am nechsten ist. Mit welchen worten || Gott sihet vf seinen lieben sohn Jesum Christum/welcher sol- || te kommen auß dem stamm Juda vnd sollte seine kirche erlö- || sen durch sein theures blut / sollte auch seine lieben gläubigen || schützen vnd schirmen wider den leydigen Satan vnd seine || werckzeug/sollte ihnen antragen die fröliche botschafft/dass wir || durch ihn zu kindern Gottes sollten angenommen werden:de- || rowegen er dann sein ampte so wol / als auch seine person be- || schreibet.
        Sein ampte belangend / nennet ihn einen Hirten. ||
[Psal. 13.I.] Wie David auch thut in seinem Psalm: Der HERR ist mein || [Joh.10.] hirt. Ja Christus selbsten/Ich bin ein guter hirt. Vnd disen || namen führet er nicht nur allein/sondern er erweiset ihn auch || in der that. Dann gleich wie ein hirt seine herde weidet/dass sie || gesunde weide haben:Also weidet Christus seine kinder/welche || den schäflein verglichen werden/mit der gesunden weide seines || seligmachenden worts. Hirten führen ihre schäflein zur trenck: || Also auch Christus/welcher sich selbst zu trincken gibt. Gleich || [Joh.4.] wie hirten warten der schäflein / dass sie acht geben/ damit die

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krancken zur gesundheit gebracht werden / die verlorne wider || suchen/schützen vnd bewahren : Also thut auch Christus:Er || sucht das verlohrene wider/was verirret ist bringt er wider/was [Ezech.34.16] || verwundet ist verbind er / was schwach ist dem wartet er / was || starck behütet er vnd pflegt dasselb/wie recht ist
        Seine Person betreffend / beschreibt er sie damit / dass || Gott ihn nennet den mann der ihm am nechsten ist. || Vnd freylich ist er ihm am nechsten:dann er ist ja sein eynge- || liebter sohn/welchen er von ewigkeit her gezeuget hat:Er ist glei-
[Psal.2.] || cher ehr/majestet vnd herzlichkeit mit dem Vatter vnd dem H. || Geist. Er vnd der vatter seind einsWer ihn kennet/der kennet [Joh.10.30. Joh.8.19.] || den vatter:vnd wer ihn ehret/ ehret auch den vatter.
        Von disem nun saget er: Schwert/ mache dich || auff/Schlage/ bring vmb / tödte : wie dann auch solches || geschehen ist/dass der sohn Gottes ist hefftig nicht allein jeder- || zeit seines lebens angefochten worden : sondern auch vor- || nemlich in seinem grossen leyden/ welches sich hat angefan- || gen im garten am ölberg / allda er ist mit spiessen / schwerten/ || stangen vnd andern gewehren gefangen worden / vnd sich ge- || endet am creutz/dass er geschrien:Mein Gott/mein Gott/wie || hastu mich verlassen! Allda er das schwert seines Gottes son- || derlich erfahren/dass er auch seine seele seinem trewen vatter in || seine hände befohlen hat.
        Ob nun zwar Christus der ertzhirt ist / jedoch so hat er || noch andere hirten / welche er gesetzt hat vber seine gemeine. || Solche sind gewesen alle Propheten/Evangelisten/Aposteln/ || vnd noch heutiges tags lehrer vnd prediger : dann sie sollen || weyden die schäflein Christi / wie Christus sagt zu Petro:
[Joh.21.15.16.17] || Weyde meine schäflein : vnd das also/daß sie Gottes heiliges [Ezech.34.4.] || wort predigen/der schwachen warten/ die krancken heylen/das

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verwundte verbinden/die verirrete holen/die verlohrne suchen/ || [Matt.9.2.] ihnen ankündigen Gottes gnade vnd barmhertzigkeit/ vnd sa- || [Ezech.3.17] gen:Sey getrost mein Sohn/meine tochter/dir seind deine sün- || de vergeben: Gott hat sie zu wächtern gesetzt vber das hauß || Israel/daß sie sollen des HErren wort hören/vnd sie seinet we- || gen warnen. Sie sollen den schäflein Christi speiß vnd tranck || darreichen im H.Abendmahl/ auf daß sie an ihrer seelen in di- || sem leben von ihnen gespeiset werden/biß sie Christus dermal || eins speisen wird an jenem tage in dem ewigen leben.
        Vnd derowegen seind sie auch am nechsten Gott dem || HErren/nicht zwar daß sie besser seyen als andere kinder Got- ||
[Luc.8.21.] tes/dann alle die den willen Gottes thun/seind seine verwand- || [Joh.15.14.] ten:vnd wann wir seinen willen thun/so seind wir seine freund: || Sondern wegen ihres sonderbaren berufs den sie haben/seind || [Exod.20.18.] sie Gott am nechsten. Derowegen auch die kinder Israel Mo- || ses baten/daß er zwischen ihnen vnd dem HERren reden wol- || [Luc.10.16.] te: Derowegen auch die verachtung solcher leut so hoch gehal- || ten wird von Christo/als wann sie ihme selber ohnmittelbar an- || gethan würde.
        Was erfolget nun aber darauf / wann Gott der HErr || also solche leute hinweg nimt / vnd seiner kirchen entzeucht? O || sehr viel : dann höret was Gott der HERR sagt : Es wird || sich die herd zertrewen/vnd sol geschehen/in wel- || chem lande zwey theil seind/die sollen außgerottet || werden vnd vndergehen:vnd will das vbrige drit- || te theil durchs fewer führen/vnd leutern wie man || solber leutert/vnd fegen wie man gold feget. In di- || sen worten höret ihr das Gott sagt/daß/wann er solches an sei- || nen hirten hab vorgehen lassen/so werde zugleich mit erfolgen

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ein zerstrewung seiner herde: auch werden vorgehen schreckli- || che landstrafen. Dann erstlich sagt er von der zerstrewung sei- || ner herden: zum andern sagt er/daß nur ein theil des volcks sol || vbrig bleiben / zwey theil aber außgerottet werden : vnd dann || ferner sol solches vbergelassene theil auch vil creutz/ trübsal vnd || verfolgung haben.
        Erstlich drewet er die zerstrewung der herde. Die her- || de wird sich zertrewen: Durch die herde wird verstanden || das volck Gottes/welches gleich einer herden schafe an ihrem || hirten Gott dem Herren hangen sol. Gleich wie es nun den || schafen zu gehen pflegt/welche zaghafte thierlein sind/vnd sich || nicht wehren können/wann der hirt nicht bey ihnen ist/so ver- || lauffen vnd verstrewen sie sich/also daß eines von dem andern ||komt. Also gehets auch mit den kindern Gottes/wann die kei- || nen hirten haben / so werden sie leichtlich zerstrewet.
        Dessen haben wir ein merkliches exempel an Christo vnd || seinen jüngern/die wollten alle gut vnd blut bey ihme aussetzen/ || vnd wollten nicht von ihme weichen oder wancken:ja so lang es || wol gieng. Aber als es an ein treffen kam/vnd sie ihre standhaf- || tigkeit sollten erweissen / sihe da verlassen sie Christum in den || händen der Juden vnd geben die flucht:Da zuvor ein rhumre- || diger Petrus sagte: HERR/ich will mit dir in den tod gehen; || da laut er hernacher weit anders/ also daß er auch Christum sei- || nen hirten zum dritten verleugnet. Ja die andern verlieffen sich || auch/daß sie nicht bey einander blieben. Das heist: Schla- || ge den hirten/so wird sich die herd zerstrewen. So
[Exod 1.] gieng es den kindern Israel/als Joseph starb/ mussten sie in der || Egyptischen dienstbarkeit arbeiten / vnd wurden sehr geplagt. || So lang Moses vnd Josua leben/gieng es den kindern Israel || wol/ aber als sie sturben/ wurden sie bald hie / bald dahin zer- || strewet.

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Vnd solches geschicht nicht allein leiblich/sondern auch || geistlicher weiß/daß wann trewe/frome/ eyfrige/ gottselige leh- || rer sterben vnd weggerissen werden / als dann oftermals grosse || verwiirrungen in der Religion werden. Solche sehen wir an || swn kindern Israel. So lang die frome könige Assa/Josaphat/ || Hiskias vnd Josias regireten vnd lebten/ dieneten sie GOTT || dem HErren : Als dise aber verfielen / so lieffen vnd hureten sie || den göttern nach/dem Baal-Peor / Asaroth vnd andern / also || [Jer.2.28.] daß so vil stätte in Juda waren / so vil götter hatten sie. Der- || gleichen geschahe auch nach dem absterben der Aposteln / also || daß auch noch zu lebzeiten Johannis vilerley ketzereyen eynge- || [Apoc1. & 5.] rissen waren / wie solches zu sehen ist auß seiner Offenbarung || vnd den Sendbriefen so er an die sieben gemeinten gethan hat.
        Nun das sehen wir noch heutiges tages/daß Gott from- || me leut/welche der kirchen Gottes sehr wol vorgestanden/von || disen orten entweder an andere orter beruffen / oder aber daß || sie Gott zu sich nimt auß disem elenden jamerthal:Was sollen ||  wir darauß schliessen? Nichts anders ist zubefahren / als daß || Gott der HErr eine zerstrewung mit vns fürhabe. Ja was sage || ich fürhabe? Da er schon zum theil die zerstrewung in vnserm || lieben vatterland Teutscher nation hat lassen er gehen:daß vile/ || ja der eiste theil schon anderwerts im Niederland/Frankreich || vnd anderen orten sich aufzuhalten genotträngt werden. Wer || wollte dann nicht sorgen / daß es an disen orten ( ob wir zwar || durch die gnade Gottes wo nicht alle/doch vile vnder vns vnder || vnserm feygenbaum sitzen ) uch etwa so ergehen werde : dann || da heist es: ||

  
     Tunc tua resagitur,paries cûm proximus ardet.
        Das ist:

        Wann da brennet deins nehsten hauß/
        Das fewer dir nicht bleibet auß.

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Zumal weil wir nicht besser sind als vnsere vätter / vnd wir alle [1.Reg.19.4.] || miteinander holtz zu disem fewer getragen haben. Dabey sol es || aber nicht bleiben/ sondern gemeine landstrafen / verhergunge/ || krieg/hunger/pestilentz sollen kommen/das volck sol außgerot- || tet werden wann solche leut fallen. Vnd das ist auch was Gott || ferner dräwat/da er spricht: Vnd es sol geschehen/in wel- || chem lande / spricht der Herre vndergehen / vnd || das dritte theil sol vbrig bleiben: das ist / Es sol der mei- || ste theil außgerottet werden/vnd nur etliche wenig vberbleiben: || Ist eben was er anderßwo sagt: Die statt da tausent außgehen/ [Amos 5.3.] || sollen nur hundert vbrig bleiben ; vnd da hundert außgehen / || sollen nur zehen vbrig behalten werden : vnd solches thut Gott || der HERR durch seine gemeine drey hauptstrafen/pestilentz/ || krieg vnd hungersnot / wie er sagt beym Propheten Ezechtel: || Es sol das dritte theil an der pestilentz sterben vnd durch hunger [Ezech.5.12.] || all werden : vnd das ander dritte theil durchs schwert fallen || rings vmb dich her/ vnd das letzte dritte theil will ich in alle windt || zerstrewen/vnd das schwert hinder ihnen herauß ziehen.
        Ehe daß aber Gott der HErr solches the/ pfleget er zu- || vor seine trewe diener hinweg zu nehmen / auf daß sie das vn- || glück nicht erfahren / wie er gethan hat als er die grosse sünd- || flut wolt lassen kommen / nam er zuvor durch den tod hinweg || Methusalem / wie er lebendig genhimmel den ersten prediger
[Gen. 5.] || Enoch genommen hatte: Als diese aber hinweg waren / da ließ || Gott der HErr die sündflut kommen / da nicht zwey theil / son- [Gen.7.] || dern alle menschen vnd vieh / vnd alles was leben hatte/vmb- || kam/ ohne allein Noah / sampt denen so im kasten waren. Ehe || daß die Babylonische gefängnus kam / name Gott der HErr || den frommen Jesaiam hinweg. So bald als auch Christus sei- || nen abscheid genommen / vnd sein himlisches reich eingenom-

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men hatte/kam nicht lang hernach die zerstörung der statt Je- || [Jerem.9.22.] rusalem / daß die leichname lagen wie mist auf dem feld / vnd || wie garben hinder dem schnitter die niemand samlet. Ehe daß || auch Genserich der Wenden könig Italiam verwüstet / nam || Gott Augustinum, vnd vor der Gothen einfall den Ambro- || [Jes.57.2.] sium hinweg. Sehet das heist/ was Jesaias sagt: Die gerech- || [Jes.26.20.21.] ten werden weggeraft für dem unglück / Gott nimt sie in eine || kamer / vnd schleust die thür hinder ihnen zu / bis das vnglück || vorüber gangen: Dann der HErr wird außgehen von seinem || ort heim zu suchen die boßheit der einwohner des lands vber sie/ || daß das land wird offenbaren ihr blut/ vnd nicht weiter verhe- || ten die drinnen sind.
        Ihr geliebte/wir sehen auch/daß vnser trewe hirten wer- || den hingerissen/ vnd lassen ihre schäflein hinder ihnen/ was sol - || len wir hierauß schliessen? Zu sorgen ist/zwey theil werden || außgerottet werden: Dann es hat ja schon Gott mit sei- || nen ruthen bey vns heftig angefangen zu schlagen / also daß da ||
[Joel. 1.3.] zuvor vnser liebes vatterland war wie ein schöner lustgarten/ || nun aber ist worden wie eine wüste einöde.
        Sehen wir an pestilentz vnd andere schwachheiten / so ||
[Jer.9.21.] müssen wir sagen: Der tod ist zu vnsern fenstern hineyn gefal- || len / vnd in vnser palläst kommen/ die kinder zu würgen auf den gassen / vnd die jünglinge auf den strassen.
       
[Joel.1.16.17.&seqq.] Sehen wir an thewrung vnd hungersnot/ so müssen wir || sehen/daß die speise wird vor vnsern augen hinweg genommen/ || vnd vom hause Gottes freude vnd wonne:Der same ist vnder || der erden verfaulet / die kornhäuser stehen wüst / die scheuren || zerfallen/ dann das getreide ist verdorben. O wie seuftzet das || weh / die rinder sehen kläglich / dann sie haben keine weyde / vnd || die schafe verschmachten : das fewer hat die awen in der wüsten

Seite 17

verbrant / vnd die flamme hat alle bäume auf dem acker ange- || zündet : Es schreyen auch die wilde thier zu Gott/dann die wäs- || serbäche sind ausgetrucknet / vnd das fewer hat die awen in der || wüsten verbrant.
       
Die böse pfeile des hungers sind ja vber vns geschossen/
[Ezech.5.16.] || vns zuverderben / vnd macht den hunger noch immer grösser/ || vnd nimt den vorrath an brot weg.
        Betrachten wir krieg vnd blutvergiessen / so haben wir
[Jer.9.10.] || solches auch( ach leyder!)all zu vil erfahre : Dann vnser land ist ja so durch krieg verheret / daß niemand da wandelt / vnd || man auch nicht ein vieh schreyen höret:Es ist beyde vögel des || himmels vnd das vieh/vnd alles weg. Vnd darzu es ja noch || kein ende nehmen / also daß wann wir von den feinden hören/ [Jer.6.24.] || vns die fäust sincken / Es wird vns angst vnd weh/ wie einer ge- || bärerin. Es darf niemend hinauß auf den acker gehen / nie- || mand darf vber feld gehen/dann es ist allenthalben vnsicher für || dem schwert des feindes/Vnser hütten sind zerstört/vnsere sey- [Jer.10.20.] || le sind zerissen:vnsere kinder sind weg vnd nie mehr fürhanden: || Niemand richtet vnsere hütten wider auf / vnd vnsere gezelt || schlägt niemand wider auf. Summa/ Es gehet daß man auch || wol möchte sagen wie Gott spricht : Schaffet vnd bestellet [Jer.9.17.] || klagweber / daß sie kommen ; vnd schicket nach denen die es wol || können vnd eilend vns klagen / daß vnsere augen mit thränen || rinnen/vnd vnsere augenlieder mit wasser fliessen/ daß man ein || kläglich geschrey höre zu Zion / vnd spreche also: Ach wie sind || wir so gar verstöret vnd zu schanden worden! Wir müssen das || land räumen/dann sie haben vnsere wohnungen geschleiffet. Wer || kan  dann sagen/ daß es nit noch ärger werden/ vnd vns auch so ergehen könnte / wie vnsern benachbarten / da solches vn- || glück täglich zu vns nahet / vnd wir dergleichen theils erfah- || ren haben.

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Hie möchte aber jemand sagen / warumb doch GOtt || dann sonderlich lehrer vnd prediger hinweg nehme / vnd die hir- || ten hinreisse : Ob sie dann besser seyen als andere glaubige?oder  || ob die jenige dann allein gottloß seyen / welche Gott der HErr | bey solchen vorgehenden strafen leben lesset?
       
Antwort : nein / diese meynung hat es nicht / dann sonst ||
[Jerem.39] hette Jeremias auch müssen gottloß seyn / welcher auch die || Babylonische gefängnis erlebte; oder Daniel vnd seine gesel- || len / welche dennoch in derselben ihrem Gott dieneten : sondern || Gott hat seine wichtige vns zum theil vnbekante vrsachen. || Vnder andern ist das eine / damit lehrer vnd prediger kein ge- || bett für das volck thun mögen ; vnd dises benimt der barm- || hertzigkeit Gottes nichts. Dann wann Gott lang seine buß- || [Jerm.6.8.] glocke hat lassen leuten durch Jeremiam : Besser dich Jerusa- || lem / ehe sich mein hertz von dir wende/ vnd ich dich zum wüsten || land mache / darinnen niemands wohne : vnd wir dann hinge- || [Jer. 18.12.] gen antworten : Da wird nichts auß / so ist Gott der HERR || auch so gethan/daß er dann hernacher/wans vns gefelt/kein ge- || bett will erhören / sondern vilmehr verbeut zu beten. Wie er sagt || [Jer.7.16.] zu Jeremia : Du solt für diß volck nicht bitten / vnd für sie kei- || ne klage noch gebett fürbringen / auch nicht sie vertretten für || mir : Dann ich will dich nicht hören.Darumb GOtt der HErr auch lehrer vnd prediger seinem volck entzeucht / auf daß || er nicht durch dero gebett möge von den straffen abgehalten || [Jacob 5.] werden : dann das gebett des gerechten vermag vil / wann es || [Genes 18] ernstlich ist. So wissen wir auch was das gebett Abrahams || vermöcht habe / als Gott der HErr wollte Sodom vnd Go- || morrha vmbkehren. Welches Gott selbst zuverstehen geben/ || [Exod.32] da er sagt zu Mose: Laß mich/ daß ich das volck verderbe: Als || wolt er sagen / Du stehest mir im weg mit deinem flehen vnd ||bitten für das volck / daß ich nicht straffen kann. Vnd sollte es

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schon geschehen / daß Gott der HErr sollte auch noch zur zeit || der straffen lehrer vnd prediger lassen/ welche auch ihr hertz auß- || schütten für das volck zu Gott / aber beym volck keine rechte || bekehrung ost / vnd wann dann gleich Mose vnd Samuel da [Jer.15.1.] || stünden/so hat doch Gott kein hertz zu solchem volck: Ja wann || gleich die drey männer/Noah/Job vnd Dabil vnder dem volck [Ezech.14.13.] || weren/so würden sie doch nur ihre seelen davon bringen/wie sol- || ches an dem Propheten Jeremia zu sehen ist. Derowegen wir [Jerem. 39.] || nicht sicher sollen sey / wann vns Gott noch fromme lehrer || lest/daß wir etwan dencken wollten/ es hette noch keine gefahr/ || sondern wir sollen vilmehr durch deroselben fleissig vermanen || vns zu buß lassen reitzen/so lang vns Gott die thür seiner gna- || den offen zeigt/ vnd die arm außstrecket vns zu gnaden anzu- || nemen.
        Möchte jemand sagen : Ey Gott ist nicht so streng / er || wird ja nicht alles verderben/er wird ihm ja noch wol ein völck- || lein erhalten/es wird ja noch jemand auß dem treffen entrin- ||nen/der es nachsage/Gott wird ja nicht sein volck gar verstos- || sen. Es ist zwar: zwey theil sollen außgerottet werden/vnd noch || eins vbrig bleiben; Aber höre : dasselbe dritte theil wil || ich durchs fewer führen vnd leutern/wie man sil- || ber leutert/ vnd fegen wie man gold feget : das ist/ || das vbergelassene sol auch durchs creutz vnd trübsal gehen/vil || leyden vnd außstehen/ oder/ wie Gott anderswo sagt/ im ofen || des elends außerwehlt gemach werden. Vnd da thut Gott der
[Jes.48.10] || HErr wie der goltschmid zu thun pflegt : wann er das vnsau- || bere golt will rein machen/ so muß ers in ofen ans fewer thun: | |oder will er gut golt von falschem golt vnderscheiden/ so muß || solches durchs fewer geschehen:davon redet Gott beym Jere- [Jer. 6.27.28.29.30.] || ma: Ich habe dich zum schmeltzer gesetzt vnder mein volck das

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so hart ist/daß du ihr wesen erfahren vnd prüfen solt. Die seind || allzumal abtrünnige vnd wandeln verrähterisch/ sie seind eytel || verdorben ertz vnd eisen:Der blaßbalck ist verbrandt/das bley || verschwindet/das schmeltzen ist vmbsonst: dann das böß ist nit || davon gescheiden/darumb heissen sie auch ein verworffen silber: || dann der HERR hat sie verworffen.
        Disen ofen nun vnd dessen hitz müssen erfahren vnd auß- || stehen alle gläubigen/theils daß sie wie das golt werden probirt/ || theils daß sie von uhrem bösen sünden vnflat mögen gefeget/da- ||mit sie nit samt der gottlosen welt verdamt werden. Die creutz- ||
[1.Cor. 11.32.Act.14.22.] regel gilt allen : Durch vile trübsal müssen wir ins reich Got- || tes eyngehen/wie solche alle gläubigen erfahren haben.
        Derowegen/ o mensch/so dencke nicht/wann dich schon || Gott der HErr werde erhalten/daß du werdest ledig außgehen/ || vnd nicht in das wasser tretten/damit deine glaubensgenossen || seind vberschwemmet worden : du must eben so wol den kelch || trincken als die Herr Christus. Wirstu nicht zerstrewet mit || andern deinen mit Christen/so komstu etwan vnder die/ welche || außgerottet werden:Gehestu da ledig auß/so mustu doch gefe- || get werden.Wann wir aber/Geliebten/insgemein sehen/daß es || nicht anders seyn kann/also daß vns Gott solches zeigt durch be- || raubung trewe lehrer/so solen wir vns bey zeiten darzu schi- || cken : Erstlich/daß wir mit vnserm gebett Gott bey zeiten zu || fuß fallen / vnsere sünden erkennen/ vmb verzeihung derselben ||
[Thren.3.42] bitten mit der kirchen Gottes bey Jeremia in seinen klagliedern: || Wir/wir seind vngehorsam gewest vn haben gesündiget. Beym || [Mich.7.9.] Micha: Ich will des HERren zorn gedultig tragen/dann ich || [Jer.2.19.] habe wider ihn gesündiget: Es ist deiner boßheit schuld/daß du || so gesteupt wirst; vnd deines vngehorsams/daß du so gestraft || wirst. Zum andern/daß wir vns gedultig drin geben/ vnd sagen || [1.Sam 3.18.] mit dem priester Eli:Er der HERR/thue ws ihm gefellt:mit

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Job/Der HERR hats geben/der HErr hats genommen/ der [Job 1.21.22.] || name des Herren sey gebenedeyt: Mit David/Ich will meine [Psal.39.10.] || hand vf mein mund legen/ich will meinen mund nicht aufthun/ || du wirsts wo machen. Weil aber wir auch sehen/daß Gott der HERR trewe lehrer vnd fromme hirten hinweg nimt/ so sol- || len wir vors dritte Gott bitten/daß er dieselbe vns wolle lassen/ || auf daß wir ja nicht mögen in mangel derselben in abgötterey || gerathen/ wie die kinder Israel in abwesen Mosis. Vnd weil [Exod. 32.] || auch dises nicht allein hilft zu abwendung oder aber zum we- || nigsten linderung der gedreweten strafen/so fern besserung des || lebens dabey ist/ so sollen wir vnsere leibe auch darstellen zum || opfer/das da lebendig/heilig vnd Gott wohlgefellig sey/welches [Rom.12.1.2.] || sey vnser vernünftiger Gottesdienst. Ob dann schon Gott sei- || ne strafen wird lassen ergehen/jedoch werden wir vns merckli- || chen der verheissung Gottes gebrauchen vnd damit aufrich- || ten können. Derowegen wollen wir nun auch hören.
                                              Fürs Ander:
        DAs sich die gläubigen vnd diejenige/so Gott der HErr || nach seiner gnad vnd barmhertzigkeit vbrig behelt/ || zu geströsten haben.
Zwar wann die kinder Gottes vf den eusserlichen zu- || stand der welt shen / vnd daß Gott der HERR solche harte || schläge thut/so meynen sie/der HERR werde ewiglich verstos-
[Psal.77.8.9.] || sen vnd keine gnad mehr erzeigen/es seye gantz vnd gar auß mit seiner güte/ vnd die verheissung habe gar ein end; der HERR || habe vergessen gnedig zu seyn / vnd seine barmhertzigkeit für || zorn verschlossen: Aber nimmermehr komt es gleichwohl darzu/ || daß er seine kinde vnd liebe gläubigen gantz vnd gar vertilge || vnd außrotte. Vnd das wird auch in verlesenem text gezeigt. || dann darin zeigt Gott an:

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Erstlich / daß er sich der wenigen wolle anne- || men vnd erbarmen/Zum andern/daß die trübsal || ihnen zu gutem sol gereichen/Vnd dann zum drit- || ten / wann seine kinder gnugsam seyen bewehrt || worden/wolle er einen nrwen bund mit ihnen ma- || chen vnd alles guts thun.
        Daß erstlich Gott der HERR sich seiner wenigen kin- || der wolle annemen / gibt er damit zu verstehen da er sagt: || Vnd ich will meine hand kehren zu den kleinen || Durch die kleine werden verstanden die gläubige kinder Got- || tes:vnd das darumb/ Erstlich weil der gläubigen der wenigste || theil ist/ der gottlosen aber der meiste : weil vile wandlen auf || dem weg der zum verderben führet/wenige aber vf dem weg zur ||
[Matt. 7.13. Luc. 12.32.1.Cor.14.] ewigen seligkeit/darumb auch Christus selbsten seine herde eine || kleine herd nennet. Zum andern/weil Gott will haben/daß seine || gläubigen sollen klein werden wie die konder/ nicht zwar am ver- || stand/sondern an der boßheit/wie die kleine kinder ohne list vnd || [Matt.18.3.] tücke seyn/also daß Christus auch sagt/daß man sonsten nicht || ins reich Gottes könne eyngehen. Von disen sagt der text/daß || Gott vber dieselbe wolle seine hand halten/ja zu inen wen- || den/das ist/ wolle sich ihrer in gnaden annemen/daer zuvor || seie hand hatte von ihnen gewendet/vnd sie ein zeitlang im au- || genblick seines zorns verlassen/wolle er sie widerumb zu  gnaden || annemen/sie wider ihre feinde beschutzen/vnd alles guts thun. || Solches hat nun vnser lieber Gott erwisen an den lieben  Apo- || steln. Ob zwar Gott den thewren seelenhirten Christum hatte || geschlagen/daß sie vmbher liefen wie die verscheuchte schäflein/ || so keinen hirten haben/daß auch etliche vnder ihnen die klägli-

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che rede führeten:Wir hoffeten er sollte Israel erlösen / aber er [Luc.24.20] || ist getödtet vnd gecreutziget : dannoch so wendete Gott wide- || rumb seine hand zu ihnen/ tröstete sie widerumb mercklich/ ja || beschutzte sie auch hernacher/ daß sie mit grosser standhaftig- || keit Gottes wor predigten / ob schon der leydige Satan sich || hefftig wider sie setzte. Vnd solches geschahe nicht allein den || kleinen/ das ist / gläubigen kindern Gottes zur zeit des newen || Testament/sondern von anfang der elt her hat Gott dieses || erwisen. So kehrete er seine hand zu dem gerechten Noah samt || denen so bey ihme im kasten waren/also daß sie nicht samt der || gottlosen welt in der Sündflut vmbkamen. So kehrete Gott || seine hand zu dem Elia vnd noch siben tausent seelen / welche [I.Reg.19.] || mit ihme erhalten wurden. Welcher exempel mehr seind/daß/ || wann Gott grosse vnd schwere strafen hat lassen kommen/ er || dannoch seiner gläubigen nicht vergessen/sondern sie allezeit || wie seinen augapfel beschützet hat.
        Zum andern/ob schon Gott der HErr auch etwan hart || mit den seinigen zu verfahren pflegt / also daß sie auch vnder || wehrenden solchen strafen etwas müsen außstehen/so geschicht || doch solches weit anders als den gottlosen. Dann belangend die || gottlosen / so wird ihnen alles zu gerehten strafen von Gott ||  dem HERren zugeschickt / deßwegen sie auch vor Gott dem || Herren nicht können bestehen/sondern gleich wie sprew werden
[Matth.3.Psal.1.Matth.13.] || verbrennet werden. Sie seind das vnkraut welches zu nichts || nutzet / vnd deßwegen durchs fewr verzehrt wird. Aber weit/ || weit anders verhelt sich’s mit den gläubigen / welche solche || trübsalen zu einem andern end werden zugeschickt. Was das || für ein zweck sey/wird vns im verlesenen text gezeigt: Ich will || das dritte theil durchs fewer führen/vnd leutern || wie man silber leutert/vnd fegen wie man golt fe-

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feget:das ist/wie golt wird durchs fewer beweret/ob es gut || sey : ja wie gut golt vom besten golt wird geseubert / vnd aller || vnflat vom silber durchs fewer gereiniget wird : Also will ich || auch solche wenige durchs fewer lassen gehen/ich will sie außer- || [Esai.48.] wehlt machen im ofen des elends/der trübsalen/des creutzes vnd || widerwertigkeit / auf daß jederman sehen möge daß sie seyen || [1.Pet.1.6.7. Luc.22.28] recht golt/daß sie seyen kinder ohne falsch/welche bey mir ver- || harzen in vilen anfechtungen. Ja auf daß sie von allen bösen || sünden flath mögen gereiniget werden.
        Wann dann dises alles wird geschehen seyn/ vnd GOtt || seine kinder gnugsam in der creutz-flamme hat lassen seyn / so || komt dann darauf vors dritte das gewünschte selige ende / daß || nemlich GOtt der HErr in gnaden sich vber seine liebe kinder || wird erbarmen / ihr seuftzen erhören / vnd sie ihrer bitt geweren || lassen/wie allhier stehet : Sie werden meinen namen || anruffen / vnd ich will sie erhören: Ich will sagen / || Es ist mein volck:vnd sie werden sagen/ Herr/mein || Gott: Summa/ es wird da kein zorn mehr seyn/kein leyd/ kein || betrübnus:Sie schreyen/ich will ihnen helffen/dann ich will eyn- || gedenck seyn daß sie sind meine kinder / vnd ich ihr GOtt : vnd || solcher bund sol nicht aufhören / so lang winter vnd sommer ||
[Psal.89. Usus.] seyn wird/das ist/ in alle ewigkeit.
        Dises sol vns nun dienen zu einem mercklichen trost in || disen betrübten zeiten / wie auch zu besserung vnsers || lebens. Ist jemals betrübnus gewesen/ so ist fürwar jetzo/ also || daß solche grewliche zeiten herzunahen / von welchen Paulus || zu seiner zeit geweissagt hat / also auch / daß/ wann jemals trost || vonnöten gewesen / so ist er jetzo sehr hoch vonnöten/ sonderlich || wann wir sehen / daß der meiste theil der leut wird hingerissen//

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daß vile oftermals ihnen die traurige gedancken machen / der || HErr habe seiner herde vergessen / vnd dieselb gantz vnd gar auß || dem sinn geschlagen/ hergege aber seinen feinden den zaum läst/ || also daß sie grünen vnd blühen : aber nimmer wird es der HErr || darzu kommen lassen/daß er seine hand gäntzlich von seinen kin- || dern abthue. Zwar vrsach hette der HErr genug/ sonderlich zu || dieser betrübten zeit / da die welt je lenger je ärger wird / also daß || auch de kinder Gottes etwas von dem bösen vnd sündlichen le-|| ben der weltkinder an sich bekommen : Aber dennoch so schonet || der HErr / vnd zeucht seine hand nicht gar ab / wie Gott der || HErr sagt: Was sol ich auch auß dir machen Ephraim? Sol ich [Hos.11.8.] || dich schützen Israel? Sol ich nicht billich ein Adama auß dir || machen/vnd dich wie Zeboim zurichten? Aber mein hertz ist an- || ders sinnes / meine barmhertzigkeit ist zu brünstig/ daß ich nicht || thun will nach meinem grimmigen zorn / vnd mich kehren E- || phraim gar zuverderben : dann ich bin GOtt/vnd kein mensch/ || der heilige vnder dir. Darumb so verzagen nicht mein frommer || Christ/ werf dein vertrawen nicht weg / sondern sehe allezeit auf || deinen lieben GOtt vnd Vatter / ob schon alles scheinet vber || vnd veber zu gehen / ja daß stumpf mit stiel sol abgehawen wer- || den. So wird Gott der HErr dennoch seine hand kehren zu seiner || kleinen herdt/wird derselben widerumb helffen. Es wird dennoch [Jes.27.] || darzu kommen / daß Jacob wurtzeln wird / vnd Israel blühen || vnd grünen wird / daß  sie den erdboden mit früchten erfüllen. || Ob zwar der HERR seie liebe braut lesset eine zeitlang im ge- [Jes.54.6.] || schrey seyn / daß sie scheinet gantz vnd gar verloren zu seyn / so weiß doch wol der HErr seine liebe kinder allezeit wo wider zu- || samlen : Darumb folge der lehr deines Herren Christi / faß ein || hertz: Förchte dich nicht du kleine herd/ dann es ist ewers vatters [Luc.12.32.] || wolgefallen euch das reich zubescheiden:

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                               Biß wolgemut du kleine herd
                               In deiner trübnus hie auf erd/
                               Du wirst noch vberwinden/
                               GOtt helt ob seinen freunden/
                               Starck gnug ist er den feinden.
Wann du nicht sihest wo mittel zu nehmen/ vnd wie GOtt sei-
ner kirchen helffen könne / so dencke / der HErr werde seine hand || kehren zu den kleinen : Die hand des Herren kann alles endern: || Sein arm ist nicht verkürtzt / daß er nicht helffen könne. Sein ||
[Psal.130.] and zu helffen hat kein ziel / wie groß auch sey der schaden. || [Jerem.15.12.] Meynstu nicht daß etwan ein eisen sey / welches könnte das eisen || vnd ertz von mitternacht zerschlagen? Vnd ob es scheinet alles || verloren zu seyn / ja an dem / daß man das vbrige von der herde || auf die schlachtbanck führe / so dencke du/dann sey die hand des || [Nah.1.8.] Herren am nehsten zu helffen: Dann wann die flut vberher || läuft/so macht er’s mit derselben ein end : Wie solches Gott der || HErr an Abraham/ Isaac/ Jacob/ Mose/ den kindern Israel/ || David/ Job/ Daniel vnd seinen dreyen gesellen/Mardochai/ || den Maccabeern vnd andern herzlich hat erwiesen.
        Ja sprichstu/ Interim patitur justus, der gerechte muß || vnder deß vil leyden / die kirche Gottes wird vnder dessen sehr ||
[Psal.6.] heftig verfolgt : vil schwemmen ihr bett mit angstschweiß / vnd || netzen ihr läger mit tränen/vil werden an bettelstab gesetzt/müs- || sen hunge vnd kummer leyden / im elend verlassen / von ihren || feinden vbel tractiret / kommen durch deroselben blutdürstiges || schwert vmb/ vnd müssen sonsten vil vngemach außstehen vnd || erfahren.
        Antwort:Daß muß also seyn : Es muß das dritte ||
[Psal.34] theil durchs feur gehen / oder wie es deutlicher David || [Act.14.] gibt: Der gerechte mu vil leyden:Die da gottselig lebe wollen/

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müssen durch vil trübsal in das reich Gottes eyngehen / wie || solches jederzeit wahr worden/ vnd Christus selbsten das feur || des zorns Gottes versucht/derowegen er geruffen:Mein Gott/ || mein GOtt wie hastu mich verlassen!
         Aber das sol dennoch deine kühlung vnd leschung in die- ||nem fewer seyn/daß du weist: Erstlich daß dich GOtt der HErr || nicht gantz vnd gar verbrennen/ das ist verderben wolle/sondern || daß gleich wie silber in dem fewer von allem vnflat/ also auch || du von dem bösen sündenwust möchtest erlöset werden:Davon || redet die kirche Gottes beym Propheten Jesaia:Wird er doch
[Jes.27.7.8.9.] || nicht geschlagen wie ihn seine feind schlagen/ vnd wird erwür- || get wie ihn seine feinde erwürgen : sondern mit massen richtestu || sie/vnd lässest sie loß/wann du sie betrübt hast mit deinen rauen || winden / nemlich mit dem Ostwind / darumb wird dardurch || die sünde Jacob aufhören / vnd das ist der nutz da- || von/dass seine sünde weggenommen werden. Vnd  wie Paulus sagt / auf daß wir nicht sampt der gottlosen welt [1.Cor.11.32] || verdamt werden.
        
Zum andern / daß es GOtt nur allein zur probe thut / ob du auch wollest bestendig an ihme bleiben/dann GOtt versucht
[Sap.3.5.6.7.] sie/vnd sind sie daß sie sein werth sind. Er prüfet sie wie gold im || ofen/ vnd nimt sie an wie ein völliges opfer / vnd zur zeit wann || GOtt drein sehen wird/werden sie helle scheinen/vnd daher fah- || ren wie flammen vber den stoppeln.
        
Zum dritten/ weil du weist / daß du in solchem fewer die- || nen gnädigen GOtt bey dir hast/der dir hilft/ vnd dich endlich || errettet.
        
Nebucadnezar verwunderte sich/da er sahe vier männer
[Dan.6.] || im ofen/ vnd hatte doch nur drey darin lassen werffen / ja daß || keiner versehrt ward vom fewer : was machte das? Der Engel

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des Herren half ihnen auß. Also müssen sich oftermals from- || [Esa.63.9.] me kinder Gottes verwundern / wann sie ihr groß jamer vnd || trübsal anschawen / vnd sehen wie sie GOtt der HErr so wun- || derlich beschützet vnd erhalten habe. So sollen wir derowegen || auch/ wann wir in solchen ofen des elends geworffen / vns ver- || gewissern des schutzes Gotes:vn solches vmb so vil desto mehr/ || [Jes.43.] weil wir die verheissung Gottes da haben: Förchte dich nicht/ || spricht GOtt/dann ich habe dich erlöset / ich habe dich bey dei- || nem namen geruffen / du bist mein. Dann so du durchs wasser || gehest / will ich bey dir seyn / daß dich die ströme nicht sollen er- || seuffen / vnd so du ins fewer gehest / soltu nicht brennen/ vnd die || [Psal 91.] flamme sol dich nicht anzünden:vnd im 91. Psalm.
                       Ruft er mich an als seinen GOtt/
                    Ich will ihm hülf beweisen :
                    Ich will bey ihm seyn in der not/
                    Ihn auß derselben reissen :
                       Zu ehren will ich bringen ihn/
                    Ihm geben langes leben/
                    Vnd dass ich wahrer helffer bin/
                    Recht zu verstehen geben.
Vnd ob er schon seine kinder auch zu zeiten hart heimsucht/ ||
[Psal13.] daß sie ruffen mit David : Wie lang/wie lang/wie lang? Den- || noch so thut der HErr nicht gar wie ein schmeltzer / der es mit || [Psal. 103] dem gold aufs eusserste lest kommen/ sondern er hat gedult mit || [1. Cor.10.13.] vns/ weil er weiß / was wir für ein arm gemächt sind. Derowe- || gen macht er auch der versuchung also ein end / wie er weiß daß || [2. Pet.2.9.] wir es können ertragen : vnd er weiß seine glaubigen auß der || versuchung zu erlösen. Wann du das wirst betrachten / so wir- || stu deine seele zur lebendigen hofnung / ja zur gedult aufmun- || [Psal. 42] tern/ vnd sagen mit David : Was betrübstu dich meine seele/ || vnd bist so vnruhig in mir! Harre auf Gott / dann ich werde

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ihm noch dancken / dasß er meines angesichts hülfe vnd mein GOtt ist.
        Nicht allein aber sollen das fromme kinder Gottes thun/ || vnd sich also trösten / sondern vnder dessen sollen sie auch mit || ihrem eyfrigen vnd embsigen gebett allezeit bey Gott anhalten/ || in gewisser zuversicht / der HErr werde sich dermal eins lassen || erweichen / vnd seinen kindern in gnad vnd barmhertzigkeit sei- || ne hülf lassen widerfahren. Zwar das macht die kinder Gottes || oftermals sehr betrübt in ihrem gebett/ ja auch laß / wann sie || sehen daß ihr gebett kein stat vnd platz findet; wann sie sehen / || daß der HErr seine ohren verstopffet vnd will nicht hören / vnd
[Thren.3.] || sein angesicht mit einer wolcken verhüllet / daß er nicht möge || das vnglück sehen : daßwegen sie auch oftermals solche klage/ || vnd sonderlich zu disen vnsern heutigen betrübten zeiten/füh- || ren : Was hilft vns lang betten? Wir haben ja nun funftzehen || gantzer jahr gebettet/vnd will vns doch nichts helffen/ ja das vn- || glück wird je lenger je grösser / darumb man eben so recht still || schweigt. Aber nicht also/mein frommer Christ/ lasse solche ge- || dancken nicht bey dich kommen/auf daß du dich nicht an Gott || versündigest : Wann schon zwey theil außgerottet wer- || den / vnd das vbrige recht geleutert vnd gefeget || wird/ so fahre du nur fort in deinem gebett/gewiß/gewiß du || wirst erhöret werden : Die verheissung Gottes stehet da; || Sie werden meinen namen anruffen/vnd ich will || sie erhören. Vnd anderswo verheist Gott selber / Ruf mich [Psal.50.15.] || an in der zeit der not/so will ich dich erretten/vnd du solt mich || preissen. Darumb ob du  schon must sehen/daß du auch mit den jenigen / die noch vbrig seind / das deinige must erfahren vnd || außstehen/so verlaß dannoch deinen Gott nicht mit deinem ge- || bett/er wird dich gewisslich auch nicht verlassen:dann der HErr

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merckets vnd hörets/vnd ist für ihm ein denckzettel geschrieben || [Mal.3.16.] für die so den Herren förchten/vnd an seinen namen gedencken. || [Syr.2.11.12.] Sihe an die exempel der alten/ vnd mercke sie.. Wer ist jemals zu  || schanden worden/der auf ihn gehoffet hat? Wer ist jemals ver- || lassen/der in der forcht Gottes blieben ist? Oder wer ist jemals || von ihme verschmehet / der ihn angeruffen hat? Sage miit || [Gen.32.27] Jacob: HERR ich lasse dich nicht/du segnest mich dann. Lauf- || [Matth.15] fe mit dem Cananeischen weiblin deinem Herren Christo nach/ || gewisslich du wirst ihn dahin bringen/ daß er dich wird müsen || [Lucas.18.7.] erretten. Christus selbsten sagt solches:Sollte auch Gott nicht || retten seine außerwehlten/die zu ihm tag vnd nacht rufen/vnd || sollte dedult drüber haben? Ich sage euch/er wird sie retten in einer kürtze.
       
Vrsach / wegen des bunds so er gemacht hat mit sei- || nen lieben kindern / derowegen Gott selber im text sagt: Ich || will sagen:Es ist  mein volck/vnd sie werden sagen/ || HERR mein Gott. Das ist/Ich will sie erhören wegen des || bunds/den ich mit ihnen gemacht haben. Ja solchen bund will || ich mit ihnen ernewren/ich wil sie vor mein volck erkennen/so || werden sie mich vor ihren HERren anruffen. Dessen tröste || dich auch in deinem gebett/vnd habe deine zuversicht zu Gott || gestelt/er wird dich nicht verlassen/ wegen seines bundes/ so er || mit dir in der H.Tauf hat aufgericht vnd ferner dir  bestettigt. ||
[Jes.54.10.] Dann es sollen wol berge weichen/vnd hügel hinfallen: Aber || meine gnad sol nicht von dir weichen/vnd der bund meines fri- || des sol nicht hinfallen/ spricht der HErr dein erbarmer.
        Vnd wer weiß/ wann wir nur fleissig betten/wo etwan || noch ein kasten Gott seiner kirchen erbawt habe/darinnen ein ge- || rechter Noah möge zur zeit der trübsalflut erhalten werden: || Wer weiß wo Gott noch eine höle habe / dahin ein gerechter

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Elia vnd frommer David mögen fliehen: Wer weiß wo Gott || noch ein Pellam für seine kinder behalten haben / darin seine lie- || be glaubigen mögen bewaret werden. Vnd sollte es auch schon || nicht seyn hie auf erden / so ist es doch im himmel:da ist vil bes- || ser seyn / wie Petrus sagt / da ist liebliches wesen zur rechten [Matt.17.] || Gottes ewiglich : ja eine solche freude/ die kein aug gesehen/kein [Psalm. 16.] || ohr gehöret / vnd niemals in keines menschen hertz kommen ist/ [1.Cor.2.] da dann den glaubigen vil besser ist als hie auf erden.
        Wann wir aber solches trostes recht wollen theilhaftig || werden / so müssen wir auch sehen / daß wir solche leute seyen/ || welche solcher schönen verheissung/ ja der erhörung des ge- || bets/sich können getrösten. Vnd zwar müssen wir sehen / daß || wir gehören vnder die kleinen / das ist / daß wir seyen rechte || kinder Gottes : welches wir sllen in der that beweisen / nicht || daß wir gehören vnder das vnkraut / auf daß wir nicht auch
[Matt.13.] || mit demselen mögen außgeropft / vnd in das fewer geworf- || fen werden. Wir sollen zusehen / daß wir nicht gehören vnder || die heuchler / welche zur zeit des wolstands grosse maulChristen || seyn/ aber wann das läuterfewer komt/ so kommen sie vmb wie || stoppeln / dann sie sind kein rechtschaffen gold. Wir sollen zu- || sehen / daß wir wahrhaftig in den bund Gottes gehören / vnd || nicht vns nur eusserlich der wahren Religion rhümen / da doch || das hertz vil anders ist / wie vorzeiten die Juden theten : Hie ist || des Herren tempel / hie ist des Herren tempel / hie ist des Her- [Jerem.7.4.] || ren tempel: Darumb auch Gott anderswo sagt / er wolle aufs || wunderlichst vnd seltzamst mit ihnen vmbgehen / weil es nur [Jes.29.13.] || mund vnd lippenwerck / das hertz aber ferne von ihme sey. Wir || sollen sehen / daß wir treweknecht vnsers lieben Gottes seyn. ||Ob dann schon menschen sich wider vns setzen / vnd also vns || kinder Gottes gar versencken wollen/so werden wir doch ein se- || liges ende erleben / daß wir sagen können mit Joseph : Ihr ge-

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[Gen.50.] dachtets böß zu machen/aber Gott macht es sehr gut. Vnd das || sey auch genug gesagt vom andern stück.
        Also hat nun E.L. vernommen: Erstlich was Gott der || HERR vorhabe / wann er trewe lehrer vnd prediger hinweg || nimt; nemlich grosse vnd schwere strafen vber sein volck. Zum || andern/was sich gleichwol fromme kinder Gottes zu getrösten || haben vnder werenden trübsalen. Vnsers ampts wil seyn/daß || wir das erste fleissig betrachten/vnd das ander nit in wind schla- || gen: Vnd sonderlich wir an disem ort/weil wir sehen/daß vnser || lieber Gott einen solchen hirten/welchen wir jetzo zur erden be- || stattet haben/vns hat genommen/welcher sich in seinem leben || vnd wandel/ja auch in seinem ampt also verhalten/daß er mit || grossem betrauren ist zur erden bestattet worden.
        BElangend sein leben vnd wandel/so wol in seiner jugend/ || als auch in seinem blühenden mannlichen alter/hat er || sich gantz fleissig vf schulen also erzeigt/daß er seine gu- || te progressus in seinem studiren gethan / deßwegen er dann || auch zum praeceptore primario der schulen allhie ist berufen || worden/allda er dann sechs jar lang seine stell so wol im predi- || gen als auch schulen hat versehen/daß er hernacher zum Pa- || storn nach Fronhausen ist beruffen worden. Als er nun ge- || rad ein jar daselbsten gewesen / hat es Gott geschickt / daß er || widerumb hieher zum Diaconat kommen/da er dann den Got- || tesdienst zu hof biß ins sibende jar mit jedermans lieb vnd ge- || nügen verrichtet. Da es nun kommen/daß eine verenderung im || 1634 jar mit der Pfarr vorgenommen / ist er zum Pfarherr || dises orts/wie ich zum Diaconat berufen/vnd seind also wir || beyde im Augusto desselben jars allhier vor der gemein prae- || sentirt worden / von welcher zeit an er dann treulich gedient/ || biß ihn Gott durch den tod abgefordert. Seinen Ehestand be- || treffend/so hat er sich/als er praeceptor allhie gewesen/verlobt

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im jar 1621 mit der Ehrn vnd tugendsamen Magdalenen/ || Henrich Beygarten sel. tochter (nunmehr auch im HErren || ruhend) wie sie dann auch darauf hochzeit gehabt/vnd haben in || wehrender ehe neun kinder miteinander erzielet/deren Gott der || HErr in wehrender ihrer ehe vor vnd nach sechs zu sich in sein || reich genommen : biß endlich Gott der HErr auch ihr hauß || mit der pestilentz hat heimgesucht /vnd anfangs sein jüngstes || töchterlein/an welchem er sampt seiner lieben haußfrawen ihr || lust vnd freud hatten/von seinen augen hingerissen. Darbey || ließ es aber Gott nicht/sondern griff ihn alsbald noch härter || an/vnd zwar an seine seyten/name ihm sein weib (welche eine || Christliche matron war/ja eine rechte mutter der armen) hin- || weg. Gott fuhr noch fort/vnd nam ihm sein einiges söhnlein/ || welcher wol dermal eins des vatters stell hette ersetzen können/ || hinweg. Noch were er zu friden gewesen/wann er das vbrige || töchterlein behalten hette/aber Gott wuste wol/was er auch || mit ihme vorhatte/derowegen/damit er desto williger von hin- || nen möchte scheiden/nam er auch das vbrige pläntzlein hinweg/ || vnd versetzte dasselbe in das himliche Paradeiß/daß also er das || himmelreich mit neun seelen ohne ihn vnd seine haußfraw ge- || mehret. Aber endlich muste der vatter selbst dran/deßwegen ihn || dann Gott mit eben derselben seuche hat heimgesucht. Insol- || cher wehrender schwachheit aber hat er sich also verhalten/daß || jederman sich nicht genug darüber verwundern kan/hat gebet- || tet biß an sein end. Wie nun das leben/also ist auch der tod ge- || wesen/deßwegen Gott also seine schwachheit gelindert/daß er || kurtz vor seinem end zu mir gesagt/daß ihm nit das geringste || wehe thue: Item/wann ihn Gott also solte abfordern/könte er || Gott nicht genugsam dancken: ja er hat geredt biß an sein end/ || da Gott seinen geist vfgenommen / vnd zwar in solchem ver- || trawen zu Gott/daß wann hie Johannes were gewesen/er wür-

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[Apoc.14.3.] de gesagt haben: Selig seind die todten die im HErren al- || so sterben. Ehe er aber hat sollen von hinnen scheiden/hat er || gleichwol die Pfarr/Caplaney/ vnd armen mit einem zimli- || chen stück gelts bedacht/ daß ihme höchlich dafür zu dancken.
       
Wie sollen wir aber disen tödlichen hintritt anschawen? || Nicht schlecht vnd oben hin / als wann es von vngefehr ge- || schehen; sondern sollen dencken/der HERR habe noch etwas || seltzams vor/daß er vns einen so fromen hirten entzogen. Deß- || wegen wir dann durch wahre buß zu vnserm lieben Gott vns || sollen bekehren/ihn bitten/daß er die gedrewete strafen wolle ab- || wenden/vnd solche lehrer bescheren/welche sich an dessen stat || Christi herde annemen. Werden wir das thun/so wird sich || Gott auch zu vns kehren / vnd das jenige so er vns gedrewet || hat /gnedig abwenden : oder aber / so sein will ist vns gleich- || wol heimzusuchen /wird er vns doch entweder hie erhalten/ || daß wir nicht von ihme abgewendet werden /oder aber / da- || mit wir solchem grossen elend entgehen / zu sich nemen in die || ewige seligkeit : Darzu vns dermal eins verhelffen wolle || der ertzhirt Christus Jesus / welcher samt seinem || Vatter vnd H.Geist sey hochgelobet vnd || geliebt in ewigkeit/Amen.

  
                                           
ENDE.

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                                  Sur la mort de feu Monsieur
                                               Gotslebius.

Faut-il donc, que nos yeux incessamment de larmes
Arrousent les tombeaux de nos amis? les armes
De ce siecle de fer donques n'ont pû faucher
Tout ce que nous avions au monde le plus cher?
Non: Les Parques encor augmentent nos miseres,
N'espargnent les enfans, tuent peres & meres.
La mort, cruelle mort, nous a ravy de mesme
Le bon Gotslebius, l'at ostè de l'Ereme
De ce val terrien, dont l'Eglise est en peine,
Les doctes en soucy, tous ses amis en gesne.
L'Eternel courroucè soudainement retire
Le pasteur du troupeau dans son celeste Empire.
Que dire là dessus? Je ne sçais esgaler
Le discours à la perte; il vaut mieux n'en parler.
Dieu l'a voulu ainsi; heureux, trois fois heureux
Gotsleb! qui jouissez du Royaume des cieux,
Pendant, que nous voyons la patrie accablée
De mille maux divers, l'Eglise renversée.
Allemagne, jadis la gloire des couronnes,
Comme es tu à present retraitte des lionnes,
Demeure des serpens, des gros loups la tasniére,
Qui deschirent ton corps de cruelle maniere?
Ta candeur ou est elle? ou l'ancienne loy,
A cest' heur qu'on foule aux pieds toute promesse & foy?

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Appaisons la douleur, Muse, sonnons retraitte,
Le siecle d'or viendra, qui tous biens nous appreste:
Nous verrons un ce jour la patrie fleurir,
Patrie des Heros; nous verrons conquerir
Nos seigneurs de Nassau des lauriers recents,
La joye en charmera & nos yeux & nos sens.
Louys Henry le grand, ce vray foudre de guerre,
L'Amour du peuple sien, sans pareil en la terre,
Dont on entend parler de l'un à l'autre pole,
Les beaux exploicts duquel vivront apres Mausole,
Ramenera la paix, & ses subjects fideles
Rassamblera joyeux comme dessous ses aisles.
Et vous, filz genereux, du pere vray Image,
George Louys, d'esprit tant fort que de courage,
Nouvel astre esclatant, grand honneur de Nassau,
Vos faicts ont la vertu pour l'unique niveau.
Je presage pourtant, en suite des oracles,
Que Mars vous verra faire un ce jour des miracles,
Vostre nom montera aussi haut que les nucs
Vos bras forts perceront les aisles ennemies,
On vous appellera l'Achille Germanique,
Devant vous ployera tout l'effort tyrannique,
Les déroutes de camps, & les prises de villes
Seront certains effects de vos armes utiles.
La Renommée en fin sur son char de triomphe
Portera ce Seigneur par l'univers en pompe:
Alors Phebus de luy m'inspirera un chant,
Qu'on orra retentir de l'Aube & du Couchant.
                                            Justus-Henricus Heidfeldt/
  
                                            Nassovius.

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                                               In obitum ||
       
                         REVERENDI VIRI, D. N. JOHAN-
          
                               Bernhardi Gotslebii, Ecclesia-

                                     stæ Dillenbergensis, amici

           
                                    honorandi.
Nvper ut hunc miserum liquit Gotslebius orbem,
Mistus & angelicis ivit ad astra choris,
Vidit luctisono turgentia lumina fletu
Et plorare suum pulpit sacra rogum,
Vidit; & è rutilo sic protinùs infit Olympo:
Ah resine lachrymas, mystica turba, tuas,
Siste pios gemitus, oculorum flumina siste,
Quod durum multis, est mihi dulce mori.
Haud secus ut Domino vixi, sic mortuus illi
Ingredior celsi splendida tecta poli.
In terris cæcam tenet imperfectio mentem,
Hîc video magnum, sed sine nube, Deum
Improbe divitas Crœsi, tibi stemmata Codri,
Et tibi secla tui Nestoris orbis habe:
Hæc me vita juvat, juvat isthoc more moriri,
Hîc verè vivo secula longa Dei.

                                     ΈΞΑΣΙΧΟΝΠΡΟΣ (…)

                                          Mœsstus faciebat
                                                        Georgius Corvinus.

 

Übersetzung des lateinischen Textes:
Als neulich diese elende Welt verließ Gotslebius
und vermischt mit Chören der Engel zu den Sternen ging,
sah er Lichter angeschwollen durch Weinen im Trauerklang
und die heiligen (Lese-) Pulte sah er, zu beweinen sein Grab
und aus dem rötlichen Olymp beginnt er sogleich folgendermaßen:
Ah, halte zurück deine Tränen, mystische Schar,
stoppe die frommen Klagen, die <Tränen->Flüsse der Augen,
was vielen hart ist, das Sterben, ist mir süß.
Nachdem ich, wie ich nicht anders als dem Herrn gelebt habe, ihm gestorben bin, trete ich
ein unter die glänzenden Dächer des erhabenen Himmelspols.
Auf Erden hält die Unvollkommenheit den blinden Sinn <gefangen>,
hier sehe ich den großen Gott, aber ohne Wolke.
Maßloser, die Reichtümer des Kroisos habe für dich, die Ahnenreihe des Kodros
und die Jahrhunderte des Nestor deines Erd<en>kreises:
Dieses Leben erfreut mich, es erfreut mich, in dieser Weise zu sterben,
hier lebe ich wahrhaft lange Ewigkeiten Gottes.

Übersetzung des griechischen Textes:
Sechszeiler
auf den Seligen.
Kurz zwar ist dieses Leben, das wie im Traume erschien,
das Leben aber, das wir Gott leben, ist allzeit glückselig.
Gottsleben (Theiobios), auch du ertrugest viel Last der Erde,
jetzt aber gewährte dir Gott das unsterbliche Leben.
(Von) dort erblickst du allzeit die Herrlichkeit des großen Gottes,
(Von) dort wirst in schöner Weise mit Namen Gottsleben (Theiobios) du genannt. Traurig dichtete <dieses>
                                                      Georgius Corvinus.

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                      ALIVD.
GOtslebi mortem nimiùm lugere juvat quid,
    O Dilenbergenses, fletibus assiduis?
Hæc fuit æterni patris decreta voluntas,
    Quam nin mortalis vincere flendo postest.
Attamen ex obitu par est lenire dolorem,
    Et noster luctus debet habere modum.
Nam, Bernhard, tibi non sunt metuenda pericla,
    Quæ nos relliquias post tua fata manent.
Nos reliquit tumidis agitabimur undiq ; nimbis,
    Nulla nocere tibi sæva procella potest.
Emensus fragilis nunc es vestigia vitæ,
    Ne spectes mundi tristia damna dolens.
Gratulor ergo tibi, multù, Præceptor amande,
    Quòd petis æternæ limina dacta scholæ.
At tu tam tristem repara, bone Christe, ruinam ;
    Restaurans populi pervia claustra tui.
Doctors largire pios, nec desere cœtum,
    Qui colit assiduâ te pietate Deum.
Et clemens pœnas dignare avertere, nostr
    Quas delicta nimis commeruêre diu.
Collige per mundum disperso corporis artus,
    Daq; Dei læto corde videre domos.
                              EJUSDEM.

 

Übersetzung des lateinischen Textes:
Was hilft es, Gotslebens Tod allzusehr zu betrauern,
o Ihr Dillenburger, mit ständigem Weinen?
Dies war der erklärte Wille des ewigen Vaters,
den ein Sterblicher durch Weinen nicht besiegen kann.
Dennoch ist es angemessen, den Schmerz über den Tod zu lindern,
und unsere Trauer muß ein Maß haben.
Denn, Bernhard, du brauchst nicht zu fürchten die Gefahren,
die uns, die Überbleibsel, erwarten nach deinem Tod.
Wir übrigen werden überall umhergetrieben werden durch geschwollene Wolken,
dir kann kein grimmiger (grausiger) Sturm schaden.
Du hast jetzt durchmessen (durchwandert) die Spuren des gebrechlichen Lebens,
schaue nicht bedauernd (betrübt) <auf> die traurigen Verluste der Welt.
Also gratuliere ich dir vielmals, zu liebender Lehrer,
daß du die gelehrten Schwellen der ewigen Schule erstrebst (aufsuchst).
Doch du, guter Christus, mach' wieder gut den so traurigen Sturz;
indem du die Schranken deines Volkes als durchlässige wiederherstellst (wieder durchlässig machst).
Schenke (gewähre) fromme doctores, verlaß nicht (laß nicht im Stiche) die Versammlung,
die mit beständiger Frömmigkeit dich, Gott, verehrt.
Und würdige dich, in <deiner> Milde abzuwenden die Strafen,
die unsere Verfehlungen allzu lange verdient haben.
Sammle die über alle Welt hin verstreuten Glieder <deines> Körpers (= der Kirche)
und gib, mit frohem Herzen die Häuser (= Wohnungen) Gottes zu sehen.]

 

COmme Elisée crioit
Alors quand Elie montoit
Aux cieux par un grand tourbillon,
Mon pere, mon pere tresbon,
Chariot d'Israël, & sa
Chevalerie: & rien vid là.
Ainsi ai-ie crié souvant,
Ou est-tu, mon second parent,
Bernard, precepteur & maistre?
Qui me fis derechef naistre ||
Jadis, en m'enseignant tresbien,
Que ie tiendray pour mon soustien
L'Eternel, qui me gardera
Par tout, & en fin sauvera.
C'est pourquoy ai-ie souhaité
Plusieurs fois, s'il eust estè
La volontè du souverain,
De voir encores ce serein
Jean Bernard cest homme de bien,
Q'en zele ne surpassast rien. ||

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Mais ayant làs! autrement pleu
Aux conseillers de son bon dieu,
Je le prise trois fois heureux,

Qu'il est rangé entre les preux
Au ciel: nous laissant tous cy-bas
En ce monde tresmauvais, làs!

                                   In observantiæ testimonium ap-
                                                       ponere voluit

                                                                                        Johannes Daum
.

                              Sur le tres pas de feu Monsieur
                                      
  Gotslebius.
DE tant de maux divers la fortune est suivie,
Que personne à regret ne quittera la vie.
Non, non; ne tirons plus d'une sombre couleur
Le pourtraict de la mort: Mourir c'est le plus seur.
Laissons les larmes, quand nos amis on enterre,
Jettons des roses, lis, girofles sur la terre.
Le monde est l'Ocean, le vaisseau est la mort,
Pour passer les perils, surgir dedans le port.
Mon Gotsleb, la rigueur des Parques je ne blasme,
Que nous voyons du corps loing envoler ton ame;
Ton corps est en repos, & ton ame reluit
Comme la Lune faict sur les feux de la nuict.
Au ciel l'honneur est bon, au monde detestable;
Icy le bien est faux, mais là tresveritable.
Le miel ci bas n'est rien qu'un poison apprestè,
Et la gloire n'a rien qu'un esclat de beautè.
Simple credulitè, vanitè desreglée,
Comment reds tu si fort la raison aveuglée,
D'esperer icy bas aux saisons à venis
Des siecles pleins de biens, de paix & de plaisir?
Allemagne, je prens de toy un triste augure,
Que ce siecle dorè ne viendra qu'en figure:
Tes forfaicts fendent jà les nues & les cieux,
Ta cruautè deplaist aux hommes & aux dieux ;
Tu vas courir le bout de l'un & l'autre monde,

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Pour estre seulement en vice plus fœconde;
Ta foy tu perds, apprens de peuples estrangers
Des actions, des mots, & des mœurs bien legers;
Le soing de nos Herôs, de te veoir appaisée,
Redoutable ta fureur, te rend plus eschauffée.
Et nius croirons encor un autre siecle d'or,
Qui nous ramenera tout plaisir & thresor?
Ouy : mais dans les cieux; là mon espoir je tourne,
Ou mon Dieu, tous les saincts, & mon Gotsleb sejourne,
Mon Gotsleb ne don'ra de sa gloire un moment
Pour de ce siecle d'or tout le contentement.

                                                               
R. G.

                                   FINIS

Stand: 2005 Klaus Gottsleben
Geändert: April 2008
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